Jever - Der Dichter und Maler Georg von der Vring (1889 bis 1968, ovales Bild), der von Dezember 1919 bis Oktober 1928 als Zeichenlehrer am Mariengymnasium in Jever gearbeitet hat, wäre am 30. Dezember des vergangenen Jahres 125 Jahre alt geworden. Das nimmt die Bibliothek des Mariengymnasium unter Leitung von Dr. Anja Belemann-Smit zum Anlass, eine Themenwoche rund um Georg von der Vring zu gestalten.
Gesang der Klasse 5a
Auftakt ist in der Bibliothek des Mariengymnasiums am Mittwoch, 1. Juli, um 19.30 Uhr. Dr. Markus Gärtner und Dr. Georg Wagner-Kyora beschäftigen sich in Vorträgen mit Aspekten des Lebens und Wirkens von Georg von der Vring. Zudem wird die Klasse 5a unter Leitung von Frauke Harland die „Hymne an Europa“ von Georg von der Vring (ca. 1950) welturaufführen. Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Georg Wagner-Kyora wird die Ausstellung „Gemalte Porträts und illustrierte Gedichte zu Georg von der Vring“ aus dem Kunstunterricht von Falk Teichert eröffnet.
Ein „Literarischer Spaziergang auf den Spuren von Georg von der Vring“ findet zudem am 4. Juli um 15 Uhr statt und startet ebenfalls an der Bibliothek des Mariengymnasiums. Regionalhistoriker Werner Menke wird etwa drei Stunden durch die Stadt führen und aus dem Leben von der Vrings berichten.
Der vor allem als Lyriker bekannt gewordene Dichter Georg von der Vring hat laut Menke knapp neun Jahre in Jever verbracht. In seiner Zeit als Zeichenlehrer am Mariengymnasium von 1919 bis 1928 vollendete er seinen Anti-Kriegsroman „Soldat Suhren“ (erschienen 1927) und brachte das bibliophile Bändchen „Südergast“ (erschienen 1925) mit zwölf Gedichten und sechs Holzschnitten heraus.
Die Jahre in Jever waren für Georg von der Vring prägend und für seine Entwicklung als Dichter von entscheidender Bedeutung: Seine beiden Söhne wurden in Jever geboren und nach mehreren Umzügen kaufte die Familie ein Haus an der Südergast – es schien, als wolle er in der Stadt bleiben.
Doch es kam anders: Der liberale Dichter von der Vring wurde zunehmend von nationalkonservativen und nationalsozialistischen Kreisen angefeindet, die zunehmend die öffentliche Meinung in der Stadt dominierten. Seine Frau Therese starb am 4. Mai 1927 an Tuberkulose. Die vorgesetzte Schulbehörde verzögerte die Entscheidung über eine Beurlaubung, von der Vring geriet nach dem Tod seiner Frau in eine Lebenskrise. „Fast fluchtartig verließ er am 8. Oktober 1928 Jever und entschied sich für eine Zukunft als freier Schriftsteller“, sagt Menke.
Vieles noch unerforscht
Das Gesamtwerk des Lyrikers und Romanciers von der Vring sei noch weitgehend unerforscht, sagt Dr. Georg Wagner-Kiora. Eine Möglichkeit des Zugangs sei die Schwerpunktforschung, daher wird Dr. Wagner-Kiora seinen Schwerpunkt in seinem Vortrag anhand eigener Recherchen auf von der Vring als politischen Dichter der Weimarer Republik leben.
Dr. Markus Gärtner beschäftigt sich mit Georg von der Vrings „romantischer“ Musikästhetik.
