Wildeshausen/Kolumbine - Dank seiner schrecklichen Vergangenheit hat Kolumbien ein sehr dunkles Gesicht in dieser Welt: Drogen, Guerilla, Gewalt. Das waren die Dinge, mit denen auch ich von vielen Personen konfrontiert wurde, als sie erfuhren, dass ich für ein Jahr nach Kolumbien gehen würde. Wie gut, dass ich diesen Sachen jetzt so gut wie widersprechen kann.

Ich habe das Glück, ein anderes Kolumbien kennenzulernen, ein Kolumbien mit einem bunten, vielfältigen Gesicht, mit wunderschönen Gegenden, bezaubernden Menschen und einer interessanten Kultur. Ich lebe hier in Medellín, welches einmal zu den größten Drogenkartellen und gefährlichsten Städten der Welt gehörte.

Von all dem habe ich bisher nichts mitbekommen. Die Menschen in Kolumbien sind herzlich und hilfsbereit, immer kann man jemandem nach etwas fragen. Es wird solange geholfen, bis eine Lösung da ist, auch wenn man schon fast aufgegeben hat, nach einer zu suchen.

Auch wenn es am Anfang manchmal schwierig war, sich in dieser großen Stadt zurechtzufinden, habe ich mich inzwischen sehr gut eingelebt. Ich arbeite im Süden Medellins in La Estrella in einer Waldorfschule in der Kleinkindergruppe. Waldorfschulen zählen hier in Kolumbien zu Schulen der besseren Bildung. Es wird viel Wert auf Toleranz, Akzeptanz und Respekt gelegt. Somit geht in unserer Schule alles sehr friedlich zu. Es ist wie eine riesengroße Familie. Zudem arbeite ich mit einer Klasse zusammen an einem Chorprojekt, und ab diesem Jahr werde ich Deutschkurse für Schüler, Eltern und Lehrer leiten.

Ich wurde sogar schon von einem Kolumbianer darauf angesprochen, ob ich denn Wildeshausen kennen würde. Wir machten gerade einen Ausflug mit meiner Kindergartengruppe, und ich unterhielt mich mit einem Vater, als der mich plötzlich fragte, ob ich Wildeshausen kennen würde. Ich bat ihn, seine Frage noch einmal zu wiederholen, da ich dachte, ich würde sie auf Spanisch nicht richtig verstehen. Aber es war tatsächlich Wildeshausen gemeint. Ein Freund von ihm hatte eine Wildeshauserin geheiratet, weshalb unsere Stadt ihm bestens bekannt war. So klein ist die Welt.

In den Monaten, in denen ich hier bin, durfte ich auch schon einiges von Kolumbien entdecken. In den Ferien lernte ich die Atlantikküste kennen, wir besuchten den Parque Tayrona, der einst nach den Tayrona Indianern benannt wurde, die dort lebten und im 16. Jahrhundert von den Kolonialmächten vertrieben und ausgerottet wurden, wir lernten die Stadt Cartagena de Indias kennen und wanderten nach Panama.

Auf einer solchen Reise lernt man so unglaublich viel. Man räumt Vorurteile aus dem Weg, lernt das Land und die Leute besser kennen, man versteht mehr von der Geschichte Kolumbiens, von seiner Kultur und den Menschen. Eine Freundin sagte einmal zu mir: „Du veränderst mein Bild, das ich von Kolumbien habe!“

Ich wünsche mir, dass ich bei mehreren Personen das Bild Kolumbiens verändern kann und dass alle Menschen eines Tages ein schöneres Bild von Kolumbien haben.

Wer Interesse hat, mehr über mein Leben in Kolumbien zu erfahren oder auch einen Freiwilligendienst im Ausland absolvieren möchte, kann sich gerne melden unter der E-Mail-Adresse: annikainkolumbien@live.de.