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Kindergarten-Streik Aufgeben kommt nicht in Frage

Melanie Hanz

Schortens - Zweieinhalb Wochen dauert der Warnstreik der Erzieherinnen in Frieslands kommunalen Kindergärten bereits. Und er geht nicht nur den Eltern an die Nieren, die zusehen müssen, wie sie ihre Kinder unterbringen, während sie arbeiten gehen.

17 kommunale Kindergärten in Friesland sind geschlossen, rund 150 Erzieherinnen gehen für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße – offen ist, wie lange. Auch sie belastet der Streik mittlerweile stark: „Wir vermissen die Kinder und unsere Arbeit“, sagte Elfriede Geisendorff-Mikulka, Leiterin des Kindergartens Südenburg in Zetel und Sprecherin der friesischen Kindergärtnerinnen, bei einem Streiktreffen der Gewerkschaft Verdi im Bürgerhaus Schortens am Dienstag (die NWZ  berichtete).

Frauen im Zwiespalt

Insbesondere der Vorwurf der kommunalen Arbeitgeber, die Erzieherinnen tragen den Streit um mehr Geld auf dem Rücken der Familien aus, macht ihr und vielen weiteren Erzieherinnen zu schaffen. „Wir stehen in einem Spannungsfeld zwischen Herz und Kopf – das ist ein Zwiespalt, der mich zerreißt“, meint eine Erzieherin.

Denn das eine ist, dass die Kindergärtnerinnen gerne zurück an die Arbeit möchten. Der Grund für den Streik jedoch wiegt ebenfalls schwer: „Wir möchten bessere Rahmenbedingungen für unsere Arbeit“, sagt eine Erzieherin: Und so lange das nicht erreicht sei, werde weitergestreikt. „Wir werden keinen Schritt zurückweichen!“

Bessere Rahmenbedingungen bedeutet natürlich einerseits mehr Geld: Der Großteil der Erzieherinnen in den kommunalen Kindergärten arbeitet in Teilzeit – die Arbeitsstrukturen haben sich in den vergangenen zehn Jahren entwickelt, als die Kommunen begannen, ihre bisherige reine Vormittagsbetreuung in den Kindergärten zu erweitern. „Dadurch sind keine Vollzeitstellen entstanden, sondern die zusätzlichen Betreuungsstunden wurden in der Regel mit immer weiteren Teilzeitkräften aufgefangen“, sagt Geisendorff-Mikulka.

Und das bedeutet, dass die Erzieherinnen kaum von ihrem Einkommen leben können – vor allem auch später nicht, wenn sie in Rente gehen. „Knapp 13 Euro pro Stunde als Einstiegsgehalt – welcher Mann würde für das Geld arbeiten? Vor allem, wenn er maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten darf“, fragt eine Erzieherin.

Denn andererseits bedeutet die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen auch die Notwendigkeit, den Erzieherberuf attraktiver zu machen – sowohl für Frauen als auch für Männer, die in der Kindererziehung dringend benötigt werden.

Und noch etwas liegt den Erzieherinnen am Herzen: Kleinere Gruppen nämlich und mehr Platz. Zwei Quadratmeter pro Kind sei der aktuelle gesetzlich vorgegebene Rahmen, berichten sie – das sei viel zu wenig. Und mit 25 Kindern pro Gruppe, die individuell gefördert werden sollen, seien zwei Erzieherinnen stark belastet. „Wir pfeifen auf dem letzten Loch“, sagt eine Kindergärtnerin.

„Einmalige Chance“

„Wenn gute Erziehungs- und Bildungsqualität gefordert werden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen“, betont deshalb Elfriede Geisendorff-Mikulka. Und „wir sind der erste Baustein für Bildung“, sagt sie. Beim Streik gehe es deshalb auch darum, das Berufsfeld Erzieherin neu zu bewerten – „und das ist eine einmalige Chance“.

Elternvertreter Christian Pohl sieht deshalb ganz klar die Politik gefordert: „Sie muss Lösungen finden – und zwar schnell“, sagt er. Die Eltern unterstützten die Streikziele. Doch langsam kippe nun die Stimmung: „Viele Eltern stehen mit dem Rücken zur Wand, weil sie ihre Überstunden abgebaut und allen Urlaub genommen haben und nicht mehr wissen, wohin mit ihren Kindern“, berichtet er.

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