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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Aufpassen bei Persönlichkeitstests

01.02.2014

Hamburg /Bremen Ob bei Berufseinstieg, Aufstieg oder Neuorientierung: Wer Entscheidungen für die Zukunft trifft, muss wissen, was er kann und wo er hin will. „Viele Menschen können ihre Kompetenzen aber gar nicht richtig einschätzen“, sagt die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert. Um das Selbstbild auf den Punkt zu bringen, sollen berufsbezogene Persönlichkeitstests helfen. Sie messen etwa Teamorientierung oder Gewissenhaftigkeit.

„Die Anzahl der Tests auf dem Markt ist allerdings riesig, und oft steckt ein kommerzielles Interesse der Anbieter dahinter“, sagt der Bochumer Wissenschaftler Rüdiger Hossiep. Die Kosten variieren und können in der Onlineversion zwischen 80 und 150 Euro liegen.

Dazu kommt allerdings in vielen Fällen noch der Preis für den Coach, mit dem die Ergebnisse durchgesprochen werden. Dann kommt man schnell auf 250 Euro.

Dabei geben die Tests keine Antwort darauf, welche Karriereschritte als nächstes folgen sollen. „Es kristallisieren sich aber Kernkompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale heraus“, erklärt Hofert. Diese können dann zum Beispiel Aufschluss darüber geben, für welche Funktionen Berufstätige sich besonders eignen.

Wer sich für einen Test entscheidet, sollte sich vorher gut über die verschiedenen Möglichkeiten informieren, rät Hofert. Hossiep hat selbst verschiedene psychologische Testverfahren entwickelt - darunter das „Bochumer Inventar zur Berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung“ kurz BIP. Bei der Version BIP-6F müssen die Teilnehmer ankreuzen, wie stark eine bestimmte Aussage auf sie zutrifft. Etwa: „Andere wissen von mir, dass ich ausgesprochen direkt bin.“ In den Ergebnissen erfährt der Teilnehmer etwa, wie robust er auf Belastungen reagiert, wie integrationsfähig und konfliktbereit er ist und wie viel Begeisterungsfähigkeit er hat.

Ein Test, der sich laut Hossiep auch unter Personalern an Beliebtheit erfreut, ist das DISG-Modell. „Es soll etwas über die Verhaltenspräferenzen einer Person aussagen“, erklärt die Wiesbadener Karriereberaterin Ute Bölke. Dabei steht das Akronym DISG für dominant, initiativ, stetig und gewissenhaft. Der Test könne beispielsweise helfen, das richtige Arbeitsumfeld zu finden oder sich darüber klarzuwerden, warum man sich in einem Unternehmen nicht wohlfühle. Auch bei anderen Tests, beispielsweise „Insights“ oder dem „Myers Briggs Typindikator“, werden Menschen in Typen eingeteilt.

Das ist keineswegs unumstritten. „Bei diesen Verfahren bekommen die Teilnehmer seitenweise Auswertungen. Trotzdem steckt dahinter nur ein fiktives psychologisches Modell – man könnte auch Kaffeesatz lesen“, sagt Viktor Lau. Er leitet die Personalentwicklung der Bremer Landesbank und hat ein Buch dazu verfasst. Wissenschaftlicher als diese Typologie-Modelle sind in seinen Augen Tests, die auf den sogenannten „Big Five“ basieren. Das Verfahren misst, wie stark die fünf Persönlichkeitsdimensionen Extraversion, Offenheit, emotionale Stabilität, Umgänglichkeit und Gewissenhaftigkeit einer Person ausgeprägt sind.

Für junge Menschen, die vor der Berufs- oder Studienwahl stehen, gibt es spezielle Tests, die Interessen und Persönlichkeitsmerkmale ermitteln. Hofert rät zum „Riasec“-Modell, das von der Agentur für Arbeit unter dem Namen „Explorix“ zur Berufsberatung verwendet wird. Hofert empfiehlt außerdem das „Borakel“ der Uni Bochum, das die Studieneignung anhand von Fragebögen und einer Art IQ-Test ermittelt. „Der kostenlose Test hilft, seine Kompetenzen einschätzen zu lernen“, sagt sie.

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