AUGUSTFEHN - Es sind die Bretter, die die Welt bedeuten – auch wenn es hier in der Mensa der Oberschule Augustfehn Linoleumboden ist. Der schauspielerischen Leidenschaft der Anwesenden tut das allerdings keinen Abbruch. 23 Lehrer aus ganz Niedersachsen kriechen, jubeln, fluchen, weinen und springen an diesem Nachmittag durch die Räume. Ihr Ziel: Die Befähigung, an ihren Schulen Darstellendes Spiel – entweder als eigenständiges Fach, als Arbeitsgemeinschaft oder einfach nur als Projekt – unterrichten zu dürfen.
Zwei Jahre dauert die gesamte berufsbegleitende Weiterbildung, viermal im Jahr finden die Lehrer aus Oldenburg, Braunschweig, Ostfriesland oder Varel sich in Augustfehn zu verschiedenen Unterrichtsblöcken zusammen. Die Pädagogen kommen dabei aus sämtlichen Schulformen. „Durch diese Zusammenarbeit kann man voneinander lernen“, erklärt Ingo Zach, Oberschullehrer und Theaterlehrer-Ausbilder.
Etwas Neues schaffen
Schließlich gehe es doch beim Theater um folgendes, wie Zach ausführt: „Menschen mit verschiedenen Qualifikationen tun sich zusammen und schaffen so etwas vollkommen Neues.“
An diesem Nachmittag steht die Darstellung verschiedener Figuren auf dem Programm. „Was liegt der Thrombosestrumpf hier herum“, donnert es auf einmal durch den Raum. Eine „feurige“ Oberärztin wird einstudiert. „Es geht darum, aus den verschiedenen Elementen – Feuer und Wasser – verschiedene Persönlichkeiten zu entwickeln“, erläutert Zach die Lektion.
Was sich zunächst gewöhnungsbedürftig anhört, ist den Weiterbildungs-Teilnehmern längst in Fleisch und Blut übergegangen. „Die Dynamik der Gruppe erzeugt einfach eine unglaubliche Leidenschaft bei jedem von uns“, erklärt Mareike Heins vom Lothar-Meyer-Gymnasium in Varel. Und ergänzt: „Theaterspielen bedeutet auch Arbeit. Aber es ist eine schöne Arbeit, die sich lohnt.“
Doch nicht nur die Schauspielerei wird geprobt, auch eine pädagogische Komponente ist stets Bestandteil der Ausbildung. „Unsere Teilnehmer sollen schließlich keine Künstler werden, sondern ihren Schülern das Schauspielern näherbringen“, sagt Ingo Zach. Ganz ohne eigenes Spiel gehe es dann doch nicht. „Um Schauspiel vermitteln zu können, sollte man wissen, wovon man redet und es folglich selbst ausprobiert haben.“
Fürs Leben lernen
Doch wofür eigentlich die ganze Mühe? „Aus dem Schauspiel kann man auch fürs Leben lernen“, ist sich Franziska Kohner, Lehrerin am Gymnasium Rhauderfehn, sicher. „Beispielsweise können so auch ruhigere Schüler – durch die Verwandlung in eine andere Person – lernen, aus sich herauszukommen und so neue Möglichkeiten für sich zu erschließen.“ In diesem Sinne: Bühne frei und Vorhang auf.
