AUGUSTFEHN - Einige kleine Produkte sind bereits hergestellt worden. Doch die Arbeitsabläufe kennen zu lernen, ist für die Schüler am wichtigsten.
von Kerstin Schumann
AUGUSTFEHN - Gert Sudbrack und Peter Vöge stehen vor einer Buchdruckmaschine und arbeiten Hand in Hand – ein eingespieltes Team. Seit kurz vor Weihnachten läuft der Betrieb in der Lernwerkstatt der Augustfehner Haupt- und Realschule auf Hochtouren. In den Wochen davor haben die beiden Pädagogen gemeinsam mit Schülern die Räumlichkeiten hergerichtet und die Maschinen auf Vordermann gebracht. Inzwischen haben die Jugendlichen schon eigene kleine Produkte hergestellt, bedruckt und gebunden. Ziel ist es aber nicht, ihnen das Handwerk beizubringen, sondern die Hauptschüler sollen unter der Obhut der beiden Pädagogen betriebliche Arbeitsabläufe kennen lernen.Zehn Schüler der neunten Klasse haben drei Wochen lang täglich drei Stunden hier verbracht. „Länger wäre besser“, bilanzieren die beiden Lehrkräfte nach den ersten Erfahrungen. „Man muss für jeden Schüler einen Arbeitsplatz einrichten und ihn erst einmal einweisen. Für viele bedeutet die Arbeit hier eine Umstellung. Manche können sich nicht so lange auf eine Aufgabe konzentrieren und brauchen eine gewisse Zeit“, beschreibt Vöge erste Eindrücke von dem Projekt. Ab März sind die achten Klassen an der Reihe. Sie sollen vier Wochen lang bleiben und jeweils fünf Stunden am Tag arbeiten. „Wir stehen erst am Anfang und müssen sehen, was sich bewährt. Das ist ein Projekt, das sich Stück für Stück entwickelt“, beschreibt Gerd Sudbrack Probleme und Chancen des Angebots.
Die Schüler jedenfalls, so ist der Eindruck der beiden Betreuer, nehmen das Projekt gut an. „Alle sind integriert. Hier gibt es keine sozialen Konflikte wie manchmal im Unterricht oder auf dem Schulhof“, freut sich Sudbrack. Die Erfolgserlebnisse zählen für die Hauptschüler sehr. Bei der alltäglichen Arbeit werden ihre motorischen Fähigkeiten ebenso gefordert wie ihr technisches Verständnis. Kreativität ist genauso gefragt wie mathematisches Wissen. „Man muss beispielsweise Papiermengen und -größen ausrechnen können, um einen Karton herzustellen“, nennt Sudbrack ein Beispiel. Materialkunde und Werkzeugkunde stünden ebenfalls auf dem Lehrplan.
„Die Schüler dürfen Fehler machen. Hier lernen sie wieder das Prinzip des Übens, des genauen Hinsehens und des Nachahmens“, hat Vöge beobachtet. Auch wichtige Tugenden wie Genauigkeit und Sorgfalt seien gefragt. „Das ist eben keine fröhliche Bastelstunde, sondern die drei Standbeine sind Routine, Fachunterricht und Projektarbeit.“ Und so sind beide Lehrkräfte von dem Konzept überzeugt. „Das, was wir hier machen, muss die Hauptschule von morgen sein: praktisch und produktiv“, betont Vöge.
