AUGUSTFEHN - Der 34-Jährige stammt aus Oberschlesien. Mit seiner Familie kam er 1989 nach Deutschland.
Von Sabine Kübler-Rüther
AUGUSTFEHN - Viel Zeit zum Überlegen blieb Sebastian Musiol nicht: Nur vier Tage nach dem Anruf von Hermann Tammen, ob der Augustfehner nicht beim Besuch der Aper Delegation in der polnischen Partnergemeinde Gizalki als Dolmetscher aushelfen könne, sollte die Tour losgehen. Wie berichtet, wollte der Verein zur Förderung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit das Gespräch suchen mit dem neuen Bürgermeister Mariusz Piasecki. Und so übten die Aper unter Anleitung von Sebastian Musiol während der Fahrt, dass Guten Tag „Dzien Dobry“ heißt, man sich bedankt mit „Dziekuje“ und Auf Wiedersehen „Do Widzenia“ ausgesprochen wird.Polnisch oder Deutsch – Sebastian Musiol wechselt mühelos von einer Sprache in die andere. 1972 geboren in Oberschlesien, siedelte er mit Eltern und Schwester 1989 über nach Klostermoor/Ostrhauderfehn. „Ein Jahr lang ging es Tag für Tag nach Leer zum Deutschkursus“, erzählt Musiol, der an der Realschule Augustfehn seinen Abschluss nachholte und eine Ausbildung zum Bauzeichner machte. Den Zivildienst leistete er bei der Lebenshilfe in Leer. Danach konnte er wieder in dem Ingenieurbüro arbeiten, wobei er sich auch mit EDV-Kursen (Schwerpunkt CAD) fortbildete. Seit Juli 1999 ist er als Netzwerkadministrator tätig.
Im vergangenen Jahr besuchte der heute 34-Jährige mit Frau Marzena und den Kindern Karolina und Dennis die Deutsch-Polnischen Tage in Apen. Auch damals waren unversehens seine Sprachkenntnisse gefragt, und so half er als Übersetzer bei all den vielen Gesprächen zwischen Ammerländern und den polnischen Gästen aus.
„Hier in Augustfehn leben viele polnische Familien, und auch über die katholische Kirche hat man Kontakte“, berichtet Marzena Musiol, die mit ihrem Mann Schlesisch spricht, wohingegen die Kinder zweisprachig aufwachsen, Deutsch und Polnisch können – oder auch Plattdeutsch lernen, so wie Sohn Dennis.
Das Treffen in Gizalki hat Musiol in vielerlei Hinsicht beeindruckt. „Die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit sind einfach unvergleichlich. Der Tisch bog sich unter den Speisen.“ So wurde auch Bigos serviert (Sauerkraut, Wurst, Fleisch), das allen gemundet habe. Zeitlich sei alles gedrängt gewesen, aber „Kontakte zwischen den Menschen zweier Nationen, das ist etwas Tolles und Wichtiges“. So stehe er gerne als Übersetzer zur Verfügung. Vielleicht auch beim Gemeindekulturtag, wenn die Delegation aus Gizalki kommt. „Meine Sprachkenntnisse vermittle ich gern, vielleicht können wir uns ja so gemeinsam auf den Besuch vorbereiten“, bietet Musiol an. Und so begrüßen die Aper die polnischen Gäste im Herbst mit „Dzien Dobry“.
