AUGUSTFEHN - Projekttag an der Haupt- und Realschule: Mit dem Fall der Mauer vor 20 Jahren beschäftigten sich am Montagvormittag die Schülerinnen und Schüler in Augustfehn. „Wir gehen auf die Straße“ lautete das Motto der Klasse R8b, das bewusst an die damaligen Montagsdemonstrationen der DDR-Bürger angelehnt war. Allerdings demonstrierten die Jugendlichen in Augustfehn nicht, sie sammelten Informationen.

„Wie haben Sie den Mauerfall erlebt?“, „Wo haben Sie den Mauerfall erlebt?“, „Was hat sich mit dem Mauerfall für Sie geändert?“ und „War es eine gute Entscheidung, dass die Mauer gefallen ist?“ lauteten einige der Fragen, die die Schüler Passanten in Augustfehn stellten. Doch nicht alle Bürger nahmen sich Zeit für die Jugendlichen.

Auch negative Erfahrungen

„Einige reagieren gar nicht auf unsere Fragen“, meint Lena Venekamp. Die Leute hätten keine Zeit oder wollten über das Thema nicht reden, berichtet sie von ihren Erfahrungen. Dass diese ablehnende Haltung gar nicht so schlimm ist, weiß Klassenlehrer Ingo Zach. „So schulen wir die Frustrationstoleranz. Die Schüler sollen ihre Kompetenzen verbessern und müssen sich deshalb erproben.“ Er will mit dem Projekt die deutsch-deutsche Geschichte auch für junge Leute greifbar machen.

Doch fremde Personen um ein Interview zu bitten erfordert natürlich einen gewissen Mut. „Wir lernen, unser Selbstbewusstsein zu stärken“, freut sich Schülerin Lena Hemken. Mit der ablehnenden Haltung einiger Bürger hatte sie kein Problem: „Da können wir mit leben.“

Brite nimmt sich viel Zeit

Ein Brite, der mittlerweile in Westerstede lebt, nahm sich viel Zeit für die Jugendlichen und beantwortete geduldig alle Fragen. Vor allem die besondere Sicht von außen auf die Ereignisse war für die Schüler spannend. Er berichtete von dem „traurigen Anblick der Plattenbauten“ und einem Besuch in Leipzig, wo sich in den vergangenen 20 Jahren wenig geändert habe. „Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.“

Am Vormittag hatten die Schüler sich zunächst Fragen für ihre Interviews überlegt. Außerdem bastelten sie große tragbare Plakate, auf denen sie sich mit dem Thema auseinander setzten. Im Anschluss an die Befragung wurden die Interviews ausgewertet.

Den Schülern gefiel der Außeneinsatz richtig gut: „Man erfährt viel über die Leute und die Geschichte“, meint Lena Venekamp. „Das ist besser, als einen Film zu schauen.“