Berlin - Mit fünf Jahren hatte sie zum ersten Mal eine Bohrmaschine in der Hand. Und die größte Freude hatte sie als Kind, wenn sie mit ihren Eltern ein Regal zusammenbauen durfte. Ihr Lieblingsfach in der Schule? Werken, natürlich. Dass Marly Konefka dabei ist, Tischlerin zu werden, überrascht nicht.
Die 37-Jährige hat allerdings nicht den direkten Weg ins Handwerk eingeschlagen. Mit 17 wurde sie schwanger, nach der Geburt ihres Kindes entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. „Ich wollte mich damals einfach absichern. Als Alleinerziehende habe ich immer in Teilzeit gearbeitet, da schien das eine gute Option zu sein.“
Ungewöhnlier Weg
Den Ausschlag zum Karrierewechsel gab vor einigen Jahren nicht zuletzt der Umzug in eine neue Wohnung – mit vielen Baustellen. „Ich habe zum Beispiel selbst eine Vollholzküche eingebaut“, erzählt Konefka. „Und sie steht immer noch.“ Nach und nach wurde ihr klar, dass sie die Arbeit mit Holz auch beruflich zum Steckenpferd machen wollte.
In einem Praktikum machte sie schließlich jemand auf das Angebot des Bildungsanbieters GFBM (Gemeinnützige Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen) in Berlin aufmerksam. Hier absolviert Marly Konefka eine zweieinhalbjährige Umschulung zur Tischlerin in Teilzeit. Am Ende steht der gleiche Abschluss und die gleiche Prüfung, wie sie auch Absolventen der dreijährigen dualen Ausbildung machen.
Wie der Arbeitsalltag für angehende Tischler aussieht, ist in der dreijährigen Ausbildung vor allem eine Frage des Betriebs: Hat er 30 oder mehr Mitarbeiter oder eher weniger?
Blick in den Alltag
„In kleinen Betrieben begleitet man die Herstellung eines Produkts, etwa eines Fensters, zusammenhängend von Anfang bis Ende – vom Auswählen des Materials über das Zurechtschneiden der Bohle bis zum Einbau des Fensters“, erklärt Arne Bretschneider, Abteilungsleiter Berufsbildung und Technik bei „Tischler Schreiner Deutschland“. In größeren Betrieben sind die Aufgaben nicht immer unmittelbar zusammenhängend zu erledigen. Oft gibt es auch überregionale Einsätze.
Ein typischer Arbeitstag für Marly Konefka beginnt um 7 Uhr in der Werkstatt der GFBM. Bis 14 Uhr arbeiten die Teilzeit-Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Projekten aus den aktuellen Lehr-Modulen. Am Anfang lernen sie die Grundlagen der Holzver- und -bearbeitung. „Da geht es zum Beispiel um Schlitz- oder Zapfenverbindungen, etwa für Bilderrahmen“, so Konefka.
Erste Möbelstücke
Nach den Grundlagen kommen größere Projekte wie erste Möbelstücke. „Wir haben etwa einen Beistellschrank in Handarbeit gefertigt. Bald steht außerdem der Oberflächenkurs an, in dem wir uns auch mit Marketerie und Furnierarbeiten beschäftigen.“
Was gehört dazu?
Wer sich für den Beruf interessiert, sollte vor allem eine Leidenschaft für den Werkstoff Holz mitbringen. Daneben gehören das Beherrschen der Grundrechenarten sowie ein technisches Grundverständnis zu den Voraussetzungen. „Man sollte nicht jedes Mal einen Taschenrechner zücken müssen, wenn man auf der Baustelle etwa die Grundfläche eines Raumes berechnen muss“, sagt Bretschneider.
Marly Konefka fasziniert an ihrer Arbeit vor allem das Element der Überraschung. „Jedes Holz fasst sich anders an, jedes Holz verhält sich beim Verarbeiten anders. Man weiß, wenn man eine Bohle, also ein Stück unbearbeitetes Holz vor sich hat, nie genau, wie das Produkt und die Maserung hinterher aussehen werden.“
Andere erfreuen
Sie sagt auch: Ganz wesentlich sei der gestalterische Teil der Arbeit – und auch, dass man andere mit seinen Produkten erfreut. Tischler beraten Kunden auch in Designfragen, damit alles gut in den Wohnraum oder das Büro passt.
Wichtig bei der Lehrstellensuche: Wie modern ist ein Betrieb? Das sollte man sich in einem Praktikum anschauen.
Übrigens: Marly Konefka möchte nach der Ausbildung am liebsten gleich eine Anstellung als Möbeltischlerin finden. Darüber hinaus bietet sich immer eine schöne Perspektive: der Meisterbrief.
