Wildeshausen - Die Last, die die Ausbildungsbrücke in Wildeshausen tragen muss, wird größer. Das wurde bei der Sitzung des Steuerkreises am Mittwochabend mehr als deutlich. Bei der Ausbildungsbrücke handelt es sich um ein bundesweites Netzwerk insbesondere für Hauptschüler, die in ihren letzten beiden Schuljahren von Paten begleitet werden. Sie sollen ihr „Patenkind“ zu einem sicheren Schulabschluss lotsen und Unterstützung bei der Berufsorientierung bieten.
Dass diese Aufgabe schwieriger denn je ist, wurde bei den Ausführungen von Bernard Werner, Konrektor der Wildeshauser Hauptschule, deutlich. 32 neue Schüler hat die Hauptschule seit dem Beginn des Schuljahres im September 2014 dazu bekommen. 19 davon waren Flüchtlinge vor allem aus Syrien und dem Irak sowie EU-Migranten aus Bulgarien und Kroatien. „Das sind teils Kinder, die noch nie in der Schule waren und nicht einmal die Nationalsprache, sondern nur ihre Familiensprache beherrschen“, führte Werner aus.
Das bestätigt Hauptschulrektorin Dorit Hielscher gegenüber der NWZ : „Wir haben zum Beispiel zwei Mädchen in der 7. und 8. Klasse bei uns, die eine Art serbisches Roma sprechen und noch nie geschrieben haben.“ Und weiter: „Die beiden Mädchen sind in unserer mit 16 Schülern voll ausgelasteten Sprachlernklasse und lernen nun erst einmal schreiben.“
Die Schüler, die keinen Platz in der Sprachlernklasse finden, werden in den übrigen Klassen untergebracht und dort zwischendurch zu Sprachschulungen herausgeholt. „Meistens gibt es jemanden, der so ähnlich spricht und den ersten Kontakt schafft“, so Hielscher. Generell fehlten jedoch Fachleute, Stunden und Räume, um dem aktuellen Ansturm gerecht zu werden und die Kinder vernünftig zu integrieren.
Um hier gezielt helfen zu können, hofft Werner ebenso wie der neue Schirmherr der Ausbildungsbrücke, Bürgermeister Jens Kuraschinski, und der bisherige Koordinator Gerd Jacoby auf zusätzliche Paten, die die Schüler im Idealfall in ihrer Muttersprache ansprechen können.
Jacoby nutzte die Sitzung auch, um seinen künftigen Nachfolger Ralph Peter Mallonn vorzustellen. Der 64-jährige Manager aus Wildeshausen wird Jacoby nach dessen Umzug nach Oldenburg ablösen. An ihm wird es dann vielleicht auch sein, die „Job-Brücke“ umzusetzen, die Jacoby als logische Fortführung der Ausbildungsbrücke in Wildeshausen anregte.
Ziel dieses zusätzlichen Services wäre es, jungen Erwachsenen zur Seite zu stehen, die sich schwer tun, im Berufsleben Fuß zu fassen. Darunter fallen laut Jacoby gerade auch die Flüchtlinge, deren Ausbildung hier zum Beispiel nicht anerkennt wird. „Die Betriebe in Wildeshausen müssten das aber mittragen“, appellierte Jacoby an die heimische Wirtschaft. Mit im Boot sein sollen zudem die Freiwilligenagentur sowie die Integrationslotsen.
