BAD ZWISCHENAHN - Die Bilanz des letzten Jahrgangs kann sich mehr als sehen lassen: Von elf Hauptschülern, die die „Klasse mit vertiefender Berufsorientierung“ (KVB) zuletzt besucht haben, schafften zehn den Hauptschulabschluss. Und – was vielleicht noch beeindruckender ist – acht von ihnen hatten sofort einen Ausbildungsplatz. Beides war zuvor zumindest fraglich und somit der Grund, weshalb die Schüler eben diese Klasse besuchten. Viele hatten auf die übliche Schule keine Lust mehr.

Auf eine solche Quote hoffen der kommissarische Schulleiter Peter Röben, Klassenlehrer Waldemar Neigel sowie Berufsstartbegleiter Piet Eppmann natürlich auch für die aktuelle KVB-Klasse des neunten Jahrgangs der Hauptschule Bad Zwischenahn. Und zumindest die Voraussetzungen sind jetzt weiter verbessert worden: Durch die finanzielle Unterstützung der Regional-Stiftung Oldenburg-Ammerland in Höhe von 2500 Euro konnten sechs Notebooks angeschafft werden. Diese bieten nicht nur die Möglichkeit, den Unterricht noch differenzierter zu gestalten – ein Teil arbeitet mit dem Lehrer, der andere mit den Rechnern – , auch könnten die Schüler mit ihnen die Distanz zu Computern abbauen.

Die Besonderheit der KVB-Klasse erläutert Neigel so: „Die Schüler gehen an zwei Tagen in der Woche in die Betriebe. Dadurch lernen sie die Abläufe kennen und sind nach der Schule den betrieblichen Anforderungen gewachsen.“ Ein großer Vorteil in der Schule sei die Intensivität des Kontakts zwischen Lehrerkräften und Schülern in der kleinen Gruppe und die dadurch gewonnene Flexibilität im Stundenplan.

Dabei sei der Bedarf an der Klasse durchaus größer als es die Klassenstärke vermuten lasse, so Röben. Aber nicht alle Schüler und deren Eltern könnten sich dafür entscheiden, sich für diese besondere Klasse anzumelden. Zumal sie für die Schüler bei 22 Stunden Unterricht an drei Tagen und zwei Arbeitstagen im Betrieb einen deutlichen Mehraufwand bedeute. Die Abschlussarbeiten sind letztlich dieselben, die auch die Mitschüler schreiben, die fünf Tage die Woche die Schule besuchen.

Bei den Betrieben ist die anfängliche Skepsis gewichen. Zwei Tage Praktikum die Woche, ein solches System kannten sie zuvor nicht. Rund 30 bis 40 Ammerländer Firmen haben sich seit den Anfängen – 2004/05 unter dem Projektnamen „Abschlussquote erhöhen, Berufsfähigkeit steigern“ (AQB) – von den Vorteilen überzeugen lassen, die auf der Hand liegen: So lernen die vielleicht künftigen Arbeitgeber ihre Lehrlinge über zwei Jahre genau kennen. Einzelne Chefs haben sogar eigens eine Ausbildereignungsprüfung abgelegt. Dabei profitiere man klar von den Strukturen mit regional verwurzelten Familienbetrieben, betont Neigel.

Die Vorteile der Klasse hätten auch die Regional-Stiftung überzeugt, so die Vorstände Achim Brumund und Thorsten Schwengels. „Wir unterstützen gezielt auch Projekte, in denen es darum geht, Schwächen der Schüler auszugleichen“, erläutert Brumund. „Probleme an der Wurzel zu packen, ist besser als soziale Projekte es sind.“

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)