BAD ZWISCHENAHN - Über die Unendlichkeit und die Verbindung von Meer und Leben philosophierten am Sonntag im Haus Brandstätter in Bad Zwischenahn bei einer Abschlussmatinee junge Mitglieder des „Jaspers Club“. 15 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren sprachen über Gedanken, die Karl Jaspers aufgrund von Kindheitseindrücken auf den Inseln Spiekeroog und Norderney gewonnen hatte.
Es sei schon erstaunlich gewesen, mit welchem Höchstmaß an Offenheit die Kinder das philosophische Denken angenommen hätten, konstatierte Prof. Dr. Reinhard Schulz vom Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Er hatte die Moderation der Veranstaltung übernommen.
Es wurde darüber nachgedacht, warum das Meer einen großen lebendigen Zusammenhang darstellt, was Wellen und Menschen gemeinsam haben und was der Begriff „Unendlichkeit“ darstellt. So beschrieb Jakob das Unendliche als etwas, das nie aufhört und sich ausbreitet. Für Tore dagegen war „Unendlich“ eine Menge, von der man nicht weiß, wie viel es ist.
Bei der Abschlussmatinee konnten die verschiedenen Themen nur angerissen und nicht tiefer gehend diskutiert werden, sollen aber bei den nächsten Treffen der „Viertklässler“ und „Talente“ im Mai weitergeführt werden. Ein großes Lob erhielt die siebenjährige Alicia, die mit ihren Denkansätzen überzeugt habe, wie Schulz festhielt.
Dem Ziel, den Kindern die Möglichkeit zu geben, selbstständiges Denken zu entwickeln, sei der Philosophie-Club wieder einmal näher gekommen, so Hans-Joachim Müller, der die „Jaspers Clubs“ leitet. Obwohl viele der anwesenden Kinder aus einer Lebenswelt kommen, in der Philosophie keine oder kaum eine Rolle spielt, bewiesen sie mit ihrem Denken und ihren Aussagen, dass sie in ihrem Leben von Bedeutung ist. Nun erhielten sie von Bürgermeister Dr. Arno Schilling als Schirmherr der Veranstaltung ihr Teilnahmezertifikat.
Während es zurzeit mit den Kindern des ersten bis dritten Schuljahres sowie des vierten Schuljahres zwei Gruppen im Jaspers Clubs gibt, soll zukünftig der Schwerpunkt auf Kinder der ersten Schuljahre verlegt werden. Dazu wird im kommenden Schuljahr in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg eine Gruppe entstehen, die über vier Jahre laufen wird.
Würzburger Studenten möchten dabei im Rahmen einer Forschungsarbeit herausfinden, was mit Kindern passiert, die vom ersten bis zum vierten Schuljahr philosophiert haben. Die insgesamt zehn Schüler, die dieser neuen Gruppe angehören werden, sollen aus den sieben Grundschulen im Ammerland, die schon seit Jahren mit den „Jaspers Clubs“ zusammenarbeiten, kommen.
