BAD ZWISCHENAHN - Kindererziehung ist eine Aufgabe, die man offenbar nicht lernen muss – „das kann man“, oder? Welche jungen Eltern besuchen vor Eintritt in die Familienplanung einen Kindererziehungskursus? Und welcher Bildungsträger bietet so etwas überhaupt an?

Spätestens, wenn die Kinder die ersten größeren Probleme machen, meist in den ersten Schuljahren, ist „Erziehung“ gefragt. Ein Mann, der die Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung – und bei ihren Erziehungsproblemen – nicht allein lässt, sondern ihnen mit Rat und insbesondere Tat zur Seite steht, ist der Diplom-Pädagoge Rolf Garbin, Leiter der Zwischenahner Grundschule am Wiesengrund – und lizenzierter Triple-P-Trainer. „Triple P“ (Positive Parenting Program, deutsch: Positives Erziehungsprogramm) ist ein Programm, das Eltern unter Berücksichtigung ihrer Stärken und Ressourcen positive Erziehungskompetenzen vermittelt und eine liebevolle Beziehung zu ihren Kindern fördert. Das Programm wurde an der Universität Queensland in Australien von Prof. Dr. Matthew Sanders und Mitarbeitern entwickelt.

Rolf Garbin, gebürtig aus der Nähe von Stuttgart, ist von Haus aus Förderschullehrer. Seit 1995 lebt er im Ammerland, war zehn Jahre an der Förderschule Westerstede tätig und ist nunmehr Leiter der Grundschule am Wiesengrund.

44 Elternkurse gehalten

In seinem Berufsalltag war er schon mehrere Jahre auf der Suche nach Möglichkeiten, Eltern unterstützen zu können, als er auf „Triple P“ stieß. Er ließ sich ausbilden – und hat im Laufe seines Berufslebens inzwischen 44 Elternkurse à acht Wochen gehalten. Wenn jeder Kursus mit durchschnittlich 15 Müttern und Vätern besetzt war, so hat er dadurch schon 660 Eltern erreicht. Und um bei den Zahlen zu bleiben: Die Kursgebühren – insgesamt knapp 25 000 Euro – hat er den jeweiligen Schulen zur Verfügung gestellt.

Auch in seiner Funktion als Leiter der Grundschule am Wiesengrund bietet Garbin mehrmals im Jahr einen Erziehungskursus für Eltern zur Unterstützung in alltäglichen Erziehungsfragen an, wie „Ständiges Stören“, „Wutanfälle“, „Ungehorsam“, „Ängste“, „Probleme beim Ein-, Durch- und Ausschlafen“, und vieles mehr. Das Thema Erziehung ist auch in dem gemeinsam von Lehrkräften und Eltern erarbeiteten und beschlossenen Leitbild der Schule ein Schwerpunkt.

„Eltern sollen in den Kursen sehen, dass Erziehungsprobleme normal sind und dass sie lernen, sich untereinander auszutauschen“, so Garbin. „Triple P“ stärke das Selbstwertgefühl und die erzieherischen Kompetenzen von Eltern.

Anregende Lernatmosphäre

Folgende Punkte bilden nach „Triple P“ die Grundlage für eine positive Erziehung: 1. Für eine sichere und interessante Umgebung sorgen; 2. Eine positive und anregende Lernatmosphäre schaffen; 3. Sich konsequent verhalten; 4. Realistische Erwartungen (an das Kind und sich selbst) entwickeln; 5. Die eigenen Bedürfnisse beachten.

Die Wirksamkeit von diesem oder jenem Erziehungsprogramm ist zweifellos nur schwer messbar. Ein Gradmesser sind jedoch zufriedene Kinder, Eltern und Lehrer. Sowohl bei einer Schüler- und Elternbefragung 2008/2009 als auch bei der Inspektion durch die Niedersächsische Schulbehörde erzielte die Grundschule am Wiesengrund Bewertungen, die nur schwer zu verbessern sind.

Mehr Infos unter www.gsamwiesengrund.de

www.triplep.de