BAD ZWISCHENAHN - BAD ZWISCHENAHN - „Wenn man ein Verbot ausspricht, dann muss man auch genau wissen, wie man es durchsetzt“, sagt Enno Siems. Der Zwischenahner, der in der Nähe des Schulzentrums wohnt, ärgert sich immer wieder über jugendliche Raucherinnen und Raucher, die seine Garagenzufahrt als Treffpunkt benutzen. „Ob vor oder nach dem Unterricht oder in den Pausen, oft stehen die Jugendlichen, die vielfach unter 16 Jahren sind, bei mir oder in der Nachbarschaft mit der Zigarette in der Hand.“ Kippen und leere Zigarettenschachteln muss Siems regelmäßig von seiner Auffahrt entfernen. Appelle an die Jugendlichen, das Rauchen auf seiner Auffahrt zu unterlassen, verhallten ungehört. Wenn ab 1. April das Rauchen an allen Schulen Niedersachsens verboten ist, fürchtet der Anlieger der Menzelstraße noch mehr Müll: Dann würden nicht nur die jüngeren, sondern auch die älteren Schüler außerhalb des Schulgeländes zur Zigarette greifen und das werde wohl vor allem zu Lasten der Anlieger des
Schulzentrums gehen.
Großes Verständnis für Siems‘ Situation haben sowohl Hans-Hermann Rode, Leiter der Zwischenahner Realschule, als auch Bernd Pohlig, Leiter des Gymnasiums Bad Zwischenahn-Edewecht, doch der erzieherische Maßnahmenkatalog der Schule bei Verfehlungen sei, so betonen beide, begrenzt: Derzeit dürften ohnehin nur Schüler des Sekundarbereiches II in einer eigenen Raucherecke des Gymnasiums rauchen, für alle anderen (bis Klasse 10), auch wenn sie bereits 16 Jahre alt seien, gelte auf dem Schulgelände bereits ein Rauchverbot. Außerhalb des Schulgeländes und nach Unterrichtsschluss habe man als Lehrer keinerlei Einflussmöglichkeiten. In den Pausen würden die Schüler von jeweils sechs Pädagogen beaufsichtigt. „Wenn jüngere Schüler beim Rauchen erwischt werden, informieren wir die Eltern. Oft bekommen wir dann jedoch zu hören, dass das Rauchen von Mutter und Vater toleriert werde, weil sie selbst auch rauchten“, so Realschulleiter Rode. Nach der zweiten Verwarnung verweise man beim dritten
Verstoß auf das Jugendamt. Und einen Vermerk im Zeugnis, dass das Sozialverhalten nicht in Ordnung sei, gäbe es obendrein. „Jede Woche haben wir bei rund 2000 Schülern in beiden Einrichtungen zehn bis fünfzehn Fälle, in denen es um das unerlaubte Rauchen geht. Das ist viel, doch die Dunkelziffer ist immens“, so Rode. Man kämpfe von Seiten der Schule auf breiter Ebene, aber es sei schwierig, die Vorgaben durchzusetzen.
Mehr Lehrer für die Pausenaufsicht abstellen, um das Rauchverbot für jüngere und künftig für alle Schüler auf dem nach allen Seiten offenen Schulgelände durchzusetzen, hält Schulleiter Bernd Pohlig für nicht praktizierbar. Vielleicht könne man durch Ein-Euro-Kräfte Unterstützung bekommen, um mehr „Rauchsünder zu ertappen“. Doch was solle man tun mit jungen Leuten, die mehrfach beim Rauchen erwischt würden? Sie der Schule verweisen? Das könne doch niemand ernsthaft wollen.
