Bad Zwischenahn - André Gieschen beschleunigt den Schulbus an der Haltestelle vor der Grundschule am Wiesengrund in Bad Zwischenahn nur für wenige Meter und nur auf 20 Stundenkilometer. Dann schreit er „Achtung“ und tritt auf die Bremse. Die Kinder aus der Klasse 4a sind vorbereitet, sie halten sich fest. Der leere Kanister, der hinten zwischen den Bänken steht, poltert dagegen nach vorne in Richtung Fahrer.

„Auf der Landstraße fahre ich bis zu 80, und da kann ich euch nicht warnen, wenn ich bremsen muss“, erklärt der Fahrtrainer. Was passieren kann, wenn dann statt des Kanisters ein Kind durch den Bus fliegt, verstehen die Jungen und Mädchen ziemlich gut. Das ist nur eine, aber die vermutlich eindringlichste Lektion der „Bus-Schule“, zu der die dritten und vierten Klassen der Grundschule am Montag und Dienstag die Stühle im Klassenzimmer gegen Sitze im Bus getauscht haben.

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Gieschen geht mit den Kindern jeden Schritt durch, vom Einstieg bis zum Ende der Fahrt. Warum man den Schulranzen im Bus besser absetzt wird klar, als der Fahrer selbst mit schwingenden Bewegungen und einem Ranzen auf dem Rücken durch den Bus läuft. Auch über Unfälle wird gesprochen: Drei Wege erklärt der Fahrtrainer, um aus dem Bus heraus zu kommen: Durch die Tür, die vorher per Schalter geöffnet werden muss, durch die Fenster mit dem Nothammer und – wenn es ganz schlimm kommt, und der Bus auf der Seite liegt – durch die Luken im Dach.

Nicht bei allen Lektionen bleiben die Viertklässler von Sabine Reinke und die Kinder aus den anderen fünf Klasse ernst, André Gieschen ist trotzdem von der Bus-Schule überzeugt. Er und ein weiterer Busfahrer sind für das Angebot des Verkehrsverbundes (VBN) freigestellt. Seit April 2018 läuft das Projekt. Bisher hat der besondere Schul-Bus an 51 Grundschulen und 13 weiterführenden Schulen gehalten.

Neben den praktischen Übungen gibt es auch noch eine theoretische Einheit in der Klasse. „Einige Schulen haben uns nach unserem Besuch gleich wieder gebucht“, berichtet Gieschen. Nicht nur damit jede Schülergeneration einmal dabei war – auch eine Wiederholung sei sinnvoll, meint der Trainer, der den langfristigen Erfolg eines einmaligen Besuchs der Bus-Schule realistisch einschätzt: „Einige Wochen funktioniert das, dann ist vieles wieder vergessen.“

Zum Abschluss machen die Schüler noch einen Praxistest: Wie schnell kommen sie in den Bus hinein und wieder heraus? Mit Gieschen an der Stoppuhr werden zwei Varianten getestet: Beim ersten Versuch stürmen alle Kinder gleichzeitig zur Tür, beim zweiten gehen sie geordnet, hintereinander. Mehr als zehn Sekunden dauert das beim ersten, nur sieben Sekunden beim zweiten Versuch.

Die Bus-Schule ist für die Schulen kostenlos. Infos und Kontakt Ein Video

Christian Quapp
Christian Quapp Team Nord (Leitung)