Barßel - Sie ist der kleine Star. Sie lacht laut und ausgiebig, hat alle Freunde um sich herum und fühlt sich sichtlich wohl. Die kleine Alma ist zwei Jahre alt und ist morgens einfach mittendrin in der Krippengruppe des Kindergartens „Heilige Familie“ in Barßel. Eigentlich ist sie ein ganz normales Mädchen – aber nur eigentlich. Alma ist seit ihrer Geburt mehrfach schwerstbehindert. „Sie ist körperlich absolut eingeschränkt. Sie kann ihren Kopf nicht oben halten, nicht greifen und nicht richtig sitzen“, sagt Mutter Kathrin Pülscher.

Hinter ihr und ihrer kleinen Tochter liegt eine lange Geschichte des Suchens und der Genehmigungen. „Als ich für mein Kind begann, einen Krippenplatz zu suchen, stand ich erst einmal vor vielen großen Fragezeichen“, sagt die Frau aus Barßelermoor. Denn einfach, für ein Kind mit heilpädagogischem Förderbedarf einen Krippenplatz zu finden, ist es nicht. „Es ist ja schon schwierig in Barßel direkt ein nicht behindertes Kind in eine Krippengruppe zu bekommen. Wir haben bei uns ja zur Zeit die einzige aktive Gruppe in der Ortschaft Barßel“, sagt Beate Dierkes, Leiterin des Kindergartens „Heilige Familie“.

Zum 1. August 2016 ging der Antrag auf Einzelintegration bei der Kindertagesstätte an der Hafenstraße ein. „Es begann die Genehmigungsflut. Ich musste eine bekommen und auch der Kindergarten“, sagt die 31-jährige Mutter.

Gespielt hat Pülscher schon mit vielen Gedanken – die nächsten Anlaufstellen für integrative Krippengruppen wären in Altenoythe oder Westerstede gewesen. Ziemlich weit für die Mutter und die kleine Alma. Doch im Kindergarten „Heilige Familie“ hat es geklappt. „Wir sahen natürlich erstmal eine große Herausforderung auf uns zukommen. Doch als wir die Betriebserlaubnis für so eine Gruppe hatten, wollten wir es dann auch wagen“, sagt Dierkes. Und von Anfang an war Alma mittendrin in der Gruppe. „Die anderen Kinder sind sofort ganz unverfänglich mit der Situation umgegangen. Sie haben zusammen mit Alma gegenseitig voneinander gelernt", fügt Dierkes hinzu. Zehn Stunden in der Woche wird die aufgeweckte Zweijährige in der Kita heilpädagogisch gefördert. Auch die Krankengymnastik für die kleine Alma findet im Kindergarten statt. „Das ist natürlich eine riesige Erleichterung für mich. Ich kann jetzt arbeiten gehen und muss auch nicht extra mit Alma zur Krankengymnastik fahren“, sagt Pülscher.

Doch die 31-Jährige will diese Freude gerne teilen. „Ich glaube, es gibt noch viel Mütter von Kindern mit Behinderung, die nicht wissen, dass diese Integration auch schon im Krippenalter angeboten wird. Ich stand auf jeden Fall vor dieser schwierigen Frage und habe nun eine gute Lösung gefunden“, so Kathrin Pülscher. Für die kleine Alma scheint es auf jeden Fall gut zu sein – sie lacht jeden Tag.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland