BARßEL - Die Alarmglocken schrillen derzeit beim Leiter des Hegerings Barßel, Rudi Schulte. Aber nicht nur beim „Chef“ der Barßeler Jägerschaft, sondern auch bei seinen Waidkollegen in den neun Revieren des Hegerings. Immer weniger Niederwild wird in der Natur angetroffen.
Was sich bereits im Sommer andeutete, brachten jetzt die ersten Treibjagden ans Tageslicht.
Weniger Biotope
„Überall klagen unsere Jäger über einen sehr geringen Niederwildbestand. Ob Hase, Fasan oder Kaninchen, diese Wildarten sind kaum anzutreffen“, beklagt Barßels Hegeringleiter. Auf der Hubertusjagd wurde gegenüber dem Vorjahr 40 Prozent weniger Wild zur Strecke gebracht.
Die Veränderung in der Natur macht Schulte für den drastischen Rückgang des Wildes gegenüber den Vorjahren in den Barßeler Revieren verantwortlich. „Die Monokultur macht uns zu schaffen. Unser Wild findet immer weniger Biotope in der grünen Landschaft. Immer größere Maiseinschläge sind zu beachten. Biogasanlagen, eine größer als die andere, schießen aus dem Boden. Hinzu kommt die sehr intensive Landwirtschaft und das gespritzt wird, was das Zeug hält“, klagt Schulte.
Es handele sich in den meisten Bereichen nicht um eine intakte Naturlandschaft, sondern um eine klar strukturierte Kulturlandschaft. Viele Wildarten hätten sich bereits gänzlich aus der Natur verabschiedet oder in regional sehr begrenzte Bezirke zurückgezogen.
Verzicht auf Jagd gefordert
„Diesen Umstand sollte man verantwortungsvoll durch intensive Hege- und Jagdbemühungen ausgleichen“, betont der Hegeringleiter. Er appelliert an alle Pächter, sofort mit einer sehr zurückhaltenden Bejagung des Wildes zu beginnen. Wo nur ganz wenig Wild angetroffen werde, sollte auf eine Jagd verzichtet werden. Hier müsse geschont werden, damit sich das Wild zurückziehen könne. „Wir laufen sonst Gefahr, unser Wild selbst zu dezimieren“, sagt der Waidmann. Das betreffe auch das Rehwild.
Landwirten, Jägern und Kommunen schreibt Schulte ins Gewissen, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben. Nicht jeder Busch oder jede Wallhecke müsse verschwinden. Wünschenswert wären Stilllegungsflächen oder Grünbrachlandflächen fürs Wild.
