Barßel - Mit Beginn des Monats August gibt es die neue Beitragsfreiheit für Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis zur Einschulung. Das Bischöflich Münstersche Offizialat (BMO) hat die Beitragsordnung geändert und die geregelte Beitragsfreiheit berücksichtigt. Daher war auch die Beitragsstaffelung für die Gemeinde Barßel zu ändern. Allerdings bleibt die Beitragshöhe für Krippenkinder unverändert.
Die Beitragsfreiheit stieß in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Familie, Senioren und Soziales bei der Leiterin des Kindergartens „Heilige Familie“ Barßel und beim hinzugewählten Mitglied Beate Dierkes auf Kritik. „Wir freuen uns für die Eltern, dass sie keine Beiträge mehr zahlen müssen. Den Verzicht auf diese Einnahmequelle sehen wir als Erzieherinnen aber eher nicht positiv“, so Dierkes.
Durch die Beitragsstaffelung sei gegeben gewesen, dass alle Familien und somit alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildung und Betreuung haben. Eltern, die über ein gutes Einkommen verfügen, waren auf das Geld nicht angewiesen. Eltern mit mittlerem Einkommen waren bereit, den Beitrag zu zahlen und Eltern mit geringem Einkommen konnten den Beitrag über die Jugendhilfe erhalten. „Das ist nicht nur unsere Sichtweise, sondern auch die der Eltern“, merkte Dierkes an. Statt auf das Geld zu verzichten, hätten sich die Erzieherinnen gewünscht, dass es in die Qualitätssicherung der Kitas geflossen wäre – zum Beispiel in Ausbildung oder verbesserte Rahmenbedingungen.
Aus heutiger Sicht und Erfahrung seien der Bildungsauftrag und die Betreuung kaum noch zu leisten. Gute Eingewöhnung, erhöhter pflegerischer Bedarf, Essenbegleitung, Bezugspersonen, Spielbegleitung seien nur einige wichtige Aufgaben, die kaum zu leisten seien. Hinzu kämen noch Sprachbarrieren, Traumata und Kulturunterschiede. „Ebenso sind Kinder mit Entwicklungsstörungen in den Blick zu nehmen. Die brauchen mehr Aufmerksamkeit und Ansprache“, so Dierkes in ihrer Kritik. Der Fachkräftemangel werde in Zukunft noch mehr Schließungstage nach sich ziehen.
„Schade, dass auf politischer Ebene solche Entscheidungen getroffen werden, ohne die, die es tatsächlich betrifft, nämlich die Kinder, die Eltern und die pädagogischen Mitarbeiter, mit einzubeziehen“, ärgerte sich die Kindergartenleiterin.
