Brake/Elsfleth - Der Beruf des Erziehers muss attraktiver werden – das hatten die Bürgermeister der Wesermarsch und Landrat Thomas Brückmann in einem offenen Brief Anfang der Woche gefordert. Bei den Berufsbildenden Schulen Wesermarsch (BBS) stieß diese Initiative auf Interesse, rief aber zugleich auch Überraschung hervor.
„Wir wussten davon nichts“, sagt Arthur Post, Schulleiter der BBS. „Nicht, dass sie mich jetzt hätten fragen müssen. Aber ich hätte es glücklicher gefunden, wenn wir als einzige Ausbildungsstätte für Erzieher im Landkreis zumindest in die Überlegungen der Politik eingebunden worden wären.“ Unstimmigkeiten gäbe es deshalb aber nicht, versichert Post, der zwischenzeitlich das Gespräch mit Landrat Brückmann und Bürgermeister Kurz gesucht hatte.
Einige Punkte im offenen Brief bedürften der Klärung, so der Schulleiter. So hieß es dort beispielsweise, dass die Ausbildung zum Erzieher und zum Sozialassistenten mit Kosten für Schulgeld und Lehrmaterial verbunden sei. „Das gibt es bei uns schon mal nicht“, betont Post. „Unsere Schüler bezahlen höchstens die Busfahrkarte. Der Schulbesuch selbst ist kostenfrei. Und die Fachliteratur ist Teil der Lehrmittelfreiheit im Land Niedersachsen.“ Den Auszubildenden wird das Material gegen ein Drittel der Kosten leihweise zur Verfügung gestellt und nach drei Ausbildungsjahrgängen ausgemustert. „Es kann ja sein, dass irgendwo im Harz auch Schulgeld für die Ausbildung gezahlt werden muss“, so Post weiter. „Aber das ist für den Erziehermangel hier bei uns wohl kaum maßgeblich.“
Maßgeblicher dafür sei eher die Beschäftigungspolitik des Landkreises. „Wenn unseren Absolventen nur Verträge über 27,5 Stunden angeboten werden, dann ist es klar, dass die sich zweimal überlegen, im Landkreis zu bleiben“, sagt Post. „In Oldenburg oder Delmenhorst werden ihnen Vollzeitverträge angeboten. Und aus Gesprächen vor allem mit der Oldenburger Stadtverwaltung weiß ich, dass dort gerade unsere Absolventen wegen der Qualität ihrer Ausbildung besonders begehrt sind.“
Für Sozialassistenten, die Hilfskräfte in der Kinderbetreuung, hatten sich Bürgermeister und Landkreis die Möglichkeit einer Ausbildung in Teilzeit gewünscht und folgte damit einem Anliegen der Landespolitik. Die Ausbildung könnte dann begleitend zu einer bestehenden Berufstätigkeit absolviert werden.
„Die Einrichtungen müssten eine solche Ausbildung dann auch anbieten wollen“, sagt Post. „Wir haben schon einmal alle 58 Kitas im Landkreis diesbezüglich angeschrieben und nur zwei davon haben uns geantwortet.“
