Jeverland - Jungen raufen und rangeln gern und sie ticken in vielen Dingen anders als Mädchen, interessieren sich für andere Dinge und verhalten sich in vielen Situationen einfach anders als Mädchen ihres Alters. Das soll und muss viel mehr Berücksichtigung finden in der Pädagogik in Kindergärten und Grundschulen. Genau hier setzt „Parole Emil“ an, ein Fortbildungsprogramm zum Thema Jungenpädagogik, das speziell für Erzieher, Betreuer und Lehrer an Kindergärten und Grundschulen entwickelt wurde.

„Die ersten Lebensjahre sind für die Entwicklung der Geschlechteridentität von entscheidender Bedeutung“, sagt Detlef Berger vom Jugendhaus Jever. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Jugendpflege Benjamin Tobias (Schortens), Dietmar Roth (Sande) und Jörg Westphal (Wangerland) stellte er die Neuauflage von „Parole Emil“ vor. Einen Infonachmittag für Pädagogen gibt es am Montag, 30. Mai, von 16 bis 19 Uhr im Jugendzentrum Sande, die eigentliche Fortbildung beginnt erst im September. Gemeinsame Veranstalter sind die evangelische und katholische Erwachsenenbildung, der Arbeitskreis Jungenarbeit in Friesland und Wittmund sowie die Bildungsregion Friesland.

Der Name „Parole Emil“ stammt aus dem Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Das Programm setzt vom Alter her an der Schnittstelle von Kindergarten und Grundschule an. Bewusst werden die Bedürfnisse und die Stärken der Jungen in den Blick genommen. Die Universität Oldenburg begleitet das Jungenpädagogik-Projekt. Einige Kindergärten und Grundschulen nutzten das Angebot bereits, das vor gut zwei Jahren Premiere hatte.

In theoretischen und praktischen Übungen und Themenblöcken lernen die Teilnehmer, wie sie dazu beitragen können, dass die Entwicklungsmöglichkeiten für Jungen in Einrichtungen des Elementar- und Primarbereichs verbessert werden.

Wie notwendig es ist, Jungen in ihrer Geschlechterrolle besser zu fördern, hat erstmals die längst berühmte PISA-Studie belegt. Jungen werden häufiger bei der Einschulung zurückgestellt, sie verlassen häufiger die Schule ohne Abschluss, erhalten seltener eine Gymnasialempfehlung und sind auch den Mädchen in der Lesekompetenz im Durchschnitt unterlegen.

In einer Kursfolge wollen die Pädagogen sich zunächst theoretisch mit dem männlichen Rollenbild befassen und dann Projekte erarbeiten, die später in der eigenen Einrichtung umgesetzt werden.