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Sprache Beherzte Schritte auf einer Riesenbaustelle

Horst Lohe

Wesermarsch - „Wenn wir die plattdeutsche Sprache retten wollen, müssen wir dort ansetzen, wo es mit der Sprache losgeht. Wir müssen Plattdeutsch möglichst früh mit Kindern sprechen“, sagt Hans Meinen (67). Auf Plattdeutsch bedeutet das: „Plattdüütsch höört in Kinnermund“.

Zentrales Anliegen

Das ist ein ganz zentrales Anliegen der Arbeit von Hans Meinen als Plattdeutsch-Beauftragter des Landkreises Wesermarsch. Im Gespräch mit der NWZ  hat der ehemalige langjährige Leiter der Grundschule Schwei und ehemalige langjährige Programmleiter des Kulturzentrums Seefelder Mühle eine erste Zwischenbilanz seiner am 1. Januar übernommenen ehrenamtlichen Arbeit gezogen.

Als ausgebildeter Märchenerzähler hat Hans Meinen von Oktober 2013 bis März dieses Jahres mehr als 100 Schulen besucht – von Bad Bederkesa bis Löningen und von Wilhelmshaven bis in die Nähe von Hannover. Dabei hat er diese Erkenntnisse gewonnen: „Wenn Plattdeutsch richtig an sie herangetragen wird, haben Kinder einen offenen Zugang und verstehen relativ schnell.“ Und: „Kinder mit Migrationshintergrund haben einen viel offeneren Zugang als Kinder, die einsprachig aufwachsen.“ Zudem: „Es gibt in jeder Schule mindestens eine Lehrkraft, die noch einen relativ engen Bezug zur plattdeutschen Sprache hat.“

In Kindergärten sei die Situation ganz ähnlich.

Inzwischen haben alle Kindergärten und Schulen in der Wesermarsch eine E-Mail von Hans Meinen bekommen. Er würde gerne zu Dienstbesprechungen oder Fachkonferenzen kommen und Hinweise geben, wie der Plattdeutsch-Erlass des Kultusministeriums umgesetzt werden kann.

Nach diesem seit 2011 geltenden Erlass muss es im Unterricht aller Schulformen Plattdeutsch geben – wie konkret, das können die Schulen frei regeln.

Möglich ist zum Beispiel eine Plattdeutsch-AG oder auch die sogenannte Immersionsmethode, wonach bestimmte Fächer auf niederdeutsch unterrichtet werden. Weitere Möglichkeit: Immer wenn Schüler sie außerhalb der Klasse ansprechen, antworten Lehrer auf plattdeutsch.

Einige Grundschulen haben bereits eine Plattdeutsch-AG. An einer Grundschule startet ein Projekt. Eine Lehrkraft der Oberschule I in Nordenham hat eine Ausbildung absolviert. „Das ist zumindest ein Anfang“, bilanziert Hans Meinen und fügt hinzu: „Es bewegt sich was, aber das ist eine Riesenbaustelle.“

Seit vier Jahren bieten Hans Meinen und seine Frau Christa an der katholischen Akademie in Stapelfeld Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte an. Eine Fortbildung gaben sie auch schon im Kindergarten Phiesewarden. „Das müsste ausgeweitet werden“, rät Hans Meinen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres sollen alle Kindergärten, Grund- und Oberschulen im Landkreis eine Broschüre mit plattdeutschen Texten über Vogelarten in der Wesermarsch erhalten. Titel: „22 Vagels ut de Wesermarsch“. Vorgestellt werden zum Beispiel der Haubentaucher (Kroonduker) und der Kleiber (Koppheistervagel). Die Inhalte des Heftes werden weitgehend von einer 2009 vom Landkreis Friesland herausgegebenen Broschüre übernommen.

10 000 Euro jährlich

Der Landkreis hat dem Plattdeutsch-Beauftragten einen Jahresetat von 10 000 Euro zur Verfügung gestellt. Daraus wird unter anderem die Broschüre finanziert.

Hans Meinen sucht Interessierte, die sich weiterbilden und anschließend helfen möchten, in Schulen für die niederdeutsche Sprache ehrenamtlich aktiv zu werden. Deshalb bittet er plattdeutsche Theatergruppen in der Wesermarsch, sich bei ihm zu melden. Die niederdeutschen Bühnen könnten davon auch profitieren, weil sie so mehr Zugang zu jungem Publikum finden und ihre Theatergruppen eventuell auch verjüngen könnten.

  Hans Meinen ist erreichbar unter t   04455/255 oder per E-Mail (hans.meinen@augusthausen.de).

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