BERLIN - Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) finden Schulabgänger in diesem Jahr wieder leichter einen Ausbildungsplatz. Das bedeute jedoch nicht, dass jeder Stellensuchende zum Beginn des Ausbildungsjahres versorgt sein wird, sagt Thilo Pahl vom DIHK in Berlin.
Schulabgänger sollten in ihrem Engagement bei der Bewerbung auf keinen Fall nachlassen, empfiehlt der DIHK-Ausbildungsexperte. Der aktuelle Trend mache es vor allem für die Bewerber leichter, die mit guten Noten punkten können und flexibel sind. Denn nicht in jedem Beruf und in jedem Teil Deutschlands wird gleichermaßen Nachwuchs gesucht: „In München und Frankfurt gibt es derzeit für jeden Ausbildungsplatzsuchenden zwei Stellen. Das ist ein Traumverhältnis“, sagt Pahl. Aber das sei in den meisten anderen Regionen nicht so.
Umso wichtiger sei es, mobil zu sein, statt am Heimatort zu kleben.
Von großer Bedeutung bleibe auch Flexibilität bei der Berufswahl.
Einen verstärkten Bedarf an Auszubildenden gibt es Pahl zufolge vor allem im gewerblich-technischen Bereich. Dort sei der Fachkräftemangel gerade bei exportorientierten Unternehmen schon zu spüren. Viele Firmen versuchten, dem Mangel durch mehr eigenen Nachwuchs zu begegnen. Ob Werkzeugmacher, Elektriker oder Kunststoffverarbeiter – dort werden nach Einschätzung des DIHK Azubis gesucht. Das seien aber gerade die Berufe, die viele Jugendliche nicht im Blick haben.
Ein Kinderspiel wird die Lehrstellensuche also auch künftig nicht: „Gerade Schulabgänger mit schlechten Noten in Mathe und Deutsch werden weiterhin Probleme haben“, sagt Pahl. Auch wenn sich das Verhältnis von offenen Stellen zu Bewerbern verbessere, sei realistisch, dass Tausende von Jugendlichen keine Stelle finden.
Ohnehin hat der DIHK nur Prognosen auf Basis von Daten über die bisher abgeschlossenen Ausbildungsverträge vorgelegt. Noch gibt es Bewegung: „Der Ausbildungsmarkt tickt völlig anders als der Arbeitsmarkt“, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. „Da tut sich noch ganz viel vor Ausbildungsbeginn im Sommer.“
Nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin geht es auch „um eine qualitative Frage“, wie Sprecher Alexander Legowski sagt. „Die Betriebe können nur Lehrlinge nehmen, die bestimmte Standards erfüllen.“ Vor allem daran hapere es immer wieder: Bewerber gab es genug, aber nicht genug qualifizierte.
Immer wieder empfohlen werden deshalb Praktika. Bei dieser Gelegenheit könne man die Ansprüche kennenlernen – und sich empfehlen.
