BERLIN - Sie warten hauptsächlich auf den Feierabend, und wenn der Chef meckert, zucken sie nur noch mit den Schultern: Viele Arbeitnehmer in Deutschland haben laut einer Studie der Beraterfirma Gallup längst innerlich gekündigt. Als Grund gilt: Es gibt zu wenig Anerkennung.

Studienautor Marco Nink von der Unternehmensberatung Gallup sieht den Grund bei den Chefs. Die knauserten mit Lob, interessierten sich zu wenig für die Arbeit ihrer Mitarbeiter und bänden sie zu wenig ein.

Einige Antworten aus der Gallup-Umfrage dürften in Personalabteilungen aufhorchen lassen: Nur jeder vierte Beschäftigte wird demnach für gute Arbeit vom Chef gelobt und nur jeder dritte meint, dass im Betrieb seine Meinung zählt.

Schlechte Mitarbeiterführung ist Gift für Unternehmen, besonders wenn der Fachkräftemangel weiter um sich greife, meint Carsten Steinert. Der Osnabrücker Professor für Personalmanagement fordert, dass Chefs besser für ihre Aufgabe ausgebildet werden. „Sie behandeln ihre Mitarbeiter nicht absichtlich schlecht. Der Grund ist häufig Unsicherheit – denn viele Führungskräfte werden ins kalte Wasser geworfen.“ Unternehmen könnten noch so viel ausgeben, um neue Leute anzuheuern. „Wenn die sich nicht wohlfühlen, sind sie schnell wieder weg.“

Doch ein guter Chef allein bringe keine glücklichen und motivierten Mitarbeiter, meint der Deutsche Gewerkschaftsbund. Nach dessen „Gute-Arbeit-Index“ ist die Führungsqualität in Deutschland nur mittelmäßig. Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten ließen zu wünschen übrig. Auch der Druck steige: „Wie viel muss ich in welcher Zeit schaffen? Das ist ganz entscheidend.“

Das bestätigt die Universität Duisburg-Essen. Sie ermittelte im Krisenjahr 2009, dass die deutschen Beschäftigten längst nicht mehr so zufrieden seien wie vor 25 Jahren – wegen Arbeitsdrucks, geringer Lohnsteigerungen und schlechter Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Zwar sind laut OECD und Gallup die meisten Beschäftigten „zufrieden“. Doch das heiße nicht, dass Beschäftigte sich ihrem Arbeitgeber emotional verbunden fühlen. „Sehr häufig geht Zufriedenheit auch mit Passivität einher“, sagt Nink. Und wer nur mit Kopf oder Händen, nicht aber mit dem Herzen bei der Arbeit sei, sei weniger leistungsbereit.

Die Lösungen seien bekannt, würden aber zu selten beherzigt, sagt Professor Steinert: regelmäßige Mitarbeiter-Gespräche beispielsweise. Der Forscher schlägt vor, künftige Führungskräfte rechtzeitig durch Seminare auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Chefs müssten sich auch regelmäßig untereinander austauschen können,