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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Tankwart meist von Kaufleuten ersetzt

11.08.2018

Berlin /Schöneiche Was gehört zur Tankstelle? Zapfsäulen, eine Waschanlage, Druckluft und Staubsauger – und ein Tankwart? Zumindest letzteres stimmt nur noch Einzelfällen. Denn den Job gibt es zwar noch, sogar als Ausbildungsberuf. Noch einen echten Tankwart zu finden, wird jedoch zunehmend schwierig. Schließlich ist der Job nicht nur alt – die Ausbildungsordnung stammt von 1952 – sondern inzwischen auch veraltet.

„Das kommt aus einer Zeit, als der Tankwart eher noch eine Servicekraft mit handwerklichen Schwerpunkten war“, sagt Simon Grupe, Ausbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Doch diese Zeiten sind vorbei. Vor allem, weil sich das Bild der Tankstelle verändert hat: „Früher hatten ganz viele zum Beispiel eine Mini-Werkstatt dabei“, erzählt Elmar Kühn, Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen UNITI. „Das gibt es kaum noch.“

Tankstellenpächter dagegen richten ihr Hauptaugenmerk verstärkt auf den Verkauf von Essen und Getränken, Zeitschriften oder Autozubehör. Wer an der Tankstelle arbeitet oder lernt, ist deshalb heute oft kein Tankwart mehr – sondern eher normaler Kaufmann.

So wie Paul Hintze: Der 20-Jährige steht kurz vor dem Ende seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann an der HEM Tankstelle im brandenburgischen Schöneiche bei Berlin. „Der Großteil meiner Arbeit ist schon an der Kasse“, erzählt er. „Dazu muss man Regale auffüllen und auch mal was nachbestellen, Ware annehmen und das Außengelände sauberhalten. Und man muss auch viel putzen, gerade im Lebensmittelbereich.“

Ganz normale Verkäufer sind Tankstellen-Mitarbeiter aber trotzdem nicht. Der Job hat schon ein paar Besonderheiten: „Die Kundenfrequenz ist sehr hoch, es geht oft sehr schnell, mit immer neuen Herausforderungen“, erklärt Kühn. Hinzu kommt, dass viele Tankstellen rund um die Uhr und auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet sind.

Davon abgesehen gibt es aber viele Parallelen zu den Kaufleuten: Zur Auswahl stehen die zweijährige Ausbildung zum Verkäufer oder die ein Jahr längere Ausbildung zu Kaufmann oder Kauffrau.

Und auch zu den Anforderungen an seine Azubis sagt Elmar Kühn nichts anderes als seine Kollegen aus dem Einzelhandel. Ein bestimmter Schulabschluss etwa ist nicht nötig: Laut Bundesagentur für Arbeit haben viele Verkäufer und Kaufleute zwar die Mittlere Reife, Azubis mit Hauptschul- oder ganz ohne Abschluss gibt es aber auch. Wichtiger sind Kühn andere Punkte: „Die Azubis an Tankstellen müssen vor allem Spaß an der Sache mitbringen.“

Den hat Paul Hintze auf jeden Fall – vor allem dann, wenn er Kunden mit guter Beratung direkt weiterhelfen kann, wie er sagt. Es kann sogar sein, dass sich daraus sogar eine Zukunft für den Nischenjob Tankwart ableiten lässt: „Wir haben eine steigende Zahl an Kunden, die auf guten Service Wert legen, und auch immer mehr ältere Kunden, die vielleicht sogar darauf angewiesen sind“, sagt Kühn. Eine moderne Form des Tankwarts könnte – vielleicht ab 2020 – Antwort sein.

Paul Hintze wird seine Ausbildung dann längst abgeschlossen haben, eventuell aber noch immer in Schöneiche arbeiten – weil er sich dort wohl fühlt. Möglich wären aber auch andere Karriereschritte. „Als ehemaliger Azubi an einer Tankstelle habe ich ideale Voraussetzungen, um zum Stationsleiter oder Pächter aufzusteigen“, sagt Verbandschef Kühn.

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DIHK | Bundesagentur für Arbeit

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