BERLIN - Meinen die das wirklich ernst? Da schreiben Bewerber ihren Lebenslauf auf Klopapierrollen und verteilen sie auf öffentlichen Toiletten. Witzigkeit kennt halt keine Grenzen – der Humor von Personalern allerdings schon. Trotzdem können „Guerilla-Bewerbungen“ in manchen Branchen eine Chance sein.

Wer aus der Reihe tanzt, kann damit auf sich aufmerksam machen. Der Karrierecoach Jürgen Hesse aus Berlin hat dafür einige kuriose Beispiele auf Lager: Eine 19-Jährige hat einmal auf YouTube alle Nutzer aufgefordert, einem Radiosender zu schreiben, dass sie genau die Richtige für ein Praktikum sei. Der Sender erhielt so viel Fanpost, dass die junge Frau den Job bekam. Oder der Koch, der seine Bewerbung in einer Bratpfanne verschickte – und prompt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekam.

Gerade für Leute bis Mitte 20 seien „Guerilla-Bewerbungen“ durchaus eine Chance, sagt Hesse. Und mit der Bewerbung nach Schema F in einer dunklen DIN-A4-Mappe gehe man auf Schreibtischen der Personaler einfach unter.

Allerdings können solche kreativen Einfälle auch nach hinten losgehen, wie das Beispiel einer Marketing-Frau aus Hessen zeigt. Sie fügte ihrer Bewerbung einige kulinarische Spezialitäten bei – dumm nur, dass die Adressatin gerade Urlaub hatte und das Paket nach einigen Wochen im Warmen ekelerregend stank. Eine andere Frau bewarb sich bei einer Werbeagentur mit einem Fön und dem Slogan: „Ich bringe frischen Wind in Ihr Unternehmen.“ Die Antwort kam prompt: „Heiße Luft können wir selbst produzieren.“

Eine Kreativ-Bewerbung sei auf jeden Fall eine Gratwanderung, sagt Hesse. Wer den Geschmack des Arbeitgebers nicht trifft, hat alle Chancen verspielt. Und zum Clown sollte man sich erst recht nicht machen. „Stellen Sie sich vor, ein 50-jähriger gestandener Betriebswirt, der seit Jahren Bereichsleiter in einer Firma war, kommt nun mit einer völlig schrägen Bewerbung daher – da hat er sehr schlechte Karten.“

Sabine Neumaier von der Bewerbungsberatung Ambitio in Berlin hält generell wenig von übertrieben kreativen Bewerbungen. „Damit kommen Sie einfach nicht weiter. Sobald Sie die Professionalität und die Eleganz verlassen, wird eine Bewerbung lächerlich.“ Zwar müsse jede Bewerbung in irgendeiner Weise außergewöhnlich sein, um das Interesse eines Personalers zu wecken. „Aber die Form sollte den Inhalt verpacken und nicht vom Inhalt ablenken“, findet Neumaier.

Auf jeden Fall brauche jede Guerilla-Bewerbung ein gutes Konzept, betont Christoph Weissenböck von „Karriere.at“. Er rät: sich über das Unternehmen schlaumachen und sich dann fragen, wie viel Frechheit der potenzielle Arbeitgeber wohl verträgt.