BERNE - Wenn die Zeugnisse ausgeteilt, die letzte Dienstbesprechung beendet und das Kollegium verabschiedet ist, sollte sich auch die Schulleitung in die Sommerferien aufmachen. Meint man. Doch René Jonker und Reinhard Wieker, die „Chefs“ der Berner Comenius-Schule, mussten sich am Mittwoch noch etwas gedulden, schließlich besuchte Karl-Heinz Klare, schulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, zusammen mit seinem Fraktionskollegen Björn Thümler die Schule.
Klare, einer der maßgeblichen Gestalter der niedersächsischen Schulpolitik, wollte sich die Grundschule, die von den Schulinspektoren Bestnoten bekommen hatte, persönlich anschauen. Das, was er sah, das, was er von Rektor Jonker und seinem Stellvertreter Wieker erfuhr, beeindruckte ihn: „Mir imponiert vor allem das Wir-Gefühl, das hier zu spüren ist. Dies ist eine exzellente Grundlage für das Gelingen pädagogischer Arbeit.“ Lob gab es auch für den Schulträger, die Gemeinde Berne, die insbesondere das Ganztagsprogramm mit viel Geld unterstützt.
Positiv beurteilten Klare und Thümler weiterhin die Hochbegabtenförderung in Berne: „Landesweit wollen wir vor allem die Diagnosefähigkeiten ausbauen, damit Begabte und Hochbegabte überhaupt richtig erkannt werden.“
Klare räumte ein, dass die Landesregierung den Schulen seit ihrem Amtsantritt 2003 eine Menge abverlangt hat. „Die Schulstrukturreform, zentrale Klassenarbeiten oder das Bauprogramm haben die Kollegien bis an die Grenzen der Belastbarkeit gefordert“, so Klare. Aber: „Wenn sie im Kultusministerium sitzen und ihnen nationale und internationale Vergleichstests ins Haus flattern, die deutlich machen, dass Niedersachsen nicht zur Spitzengruppe zählt, dann wollen sie das so schnell wie möglich ändern.“
Doch nun soll das Reformtempo verlangsamt und das Augenmerk auf die Verbesserung der Bildungsqualität gerichtet werden. Dazu wird derzeit ein „Unterstützungs- und Beratungssystem“ aufgebaut. Rund 250 fachlich versierte Personen sollen die Schulen künftig u.a. in Sachen Methodik und Didaktik beraten.
Ein weiterer Schritt zur Qualitätsverbesserung soll mit der „Eigenverantwortlichen Schule“ unternommen werden. Ab dem 1. August erhalten die Allgemeinbildenden Schulen ein Budget vom Land, das sie selbst verwalten dürfen. Klare: „Das Kultusministerium gibt die Standards vor, die Schulen entscheiden selbst, wie die Ziele erreicht werden sollen.“
Wichtige Entscheidungen fallen dann im Schulvorstand – paritätisch besetzt mit Lehrern und Elternvertretern. Der Schulvorstand entscheidet dann auch – bei den Grundschulen ab 2008 – über die Einstellung von Lehrern: „Die Schulbehörde schlägt der Schule potenzielle Kandidaten für eine Stelle vor – die Schule entscheidet dann nach Bewerbungsgesprächen.“
Gestärkt wird die Stellung der Schulleitung, die immer mehr Managementaufgaben übernimmt. „Der Schulleiter verwaltet das Budget und ist nur dem Schulvorstand rechenschaftspflichtig.“
Übrigens: Im kommenden Schuljahr bekommt die Comenius-Schule zehn zusätzliche Lehrerstunden für das Ganztagsangebot. Auch hier gibt es laut Klare Gestaltungsspielräume „Sie können entscheiden, ob sie die zehn Stunden haben wollen oder ob sie zwei davon in Geld umwandeln möchten.“ Aufs Jahr betrachtet seien das immerhin 1500 Euro für die Comenius-Schulkasse.
