Der Job einer Schulleiterin oder eines Schulleiters ist im Laufe der Jahre sicherlich nicht einfacher geworden. Zumal, wenn man Verantwortung für mehr als tausend Schüler sowie 85 Lehrkräfte hat. Ein langer Arbeitstag ist für die Schulleiterin des Gymnasiums in Ganderkesee nichts Ungewöhnliches. Für Dr. Renate Richter (60) ist das aber kein Problem, denn sie ist Schulleiterin mit Leib und Seele.

Der Beruf der Lehrerin ist Renate Richter eigentlich in die Wiege gelegt worden, denn sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter waren Lehrer in ihrer Heimatstadt Kiel. Auch ihre Schwester entschied sich für diesen Beruf. Für Renate Richter war die Berufswahl nicht immer so klar. Einige Male stand sie kurz davor, einen anderen Weg einzuschlagen.

Als junges Mädel wäre sie gern Pferdewirtin geworden. „Ich bewundere Sandra Auffarth und unsere Schülerin Rebecca Horstmann für ihre tollen Leistungen mit ihren Pferden“, schwärmt Renate Richter. Immerhin konnte sie für ihren Reitverein „Roßgarten“ einige Erfolge im Springparcours erzielen.

In der Schule waren Englisch und vor allen Dingen Biologie ihre Lieblingsfächer. Kurz vor dem Abitur spielte sie aber noch mit dem Gedanken, Juristin zu werden. „Ich hätte meinem Namen gerne alle Ehre gemacht“, lächelt Renate Richter.

Nach dem Abitur 1974 entschied sie sich doch für ein Studium auf Lehramt mit den Fächern Englisch und Biologie. „Die Vielfalt der Lebensformen und dabei vor allen Dingen die unter Wasser, haben mich begeistert“, erklärt Renate Richter. Da war es kein Wunder, dass sie sich irgendwann selbst in die Tiefe stürzte und das Tauchen erlernte. „Unter Wasser zu sein, ist einfach faszinierend, da ist man in einer ganz eigenen Welt“, schwärmt Renate Richter. Mit gemischten Gefühlen denkt sie an einen Tauchgang in der Karibik zurück. „Da hat mich eine Strömung plötzlich nach unten gezogen, ich konnte mich gerade noch festhalten“, berichtet Renate Richter.

Nach ihrem Studium begann sie mit ihrer Doktorarbeit, in der sie die Pflanzen am Außendeich der Weser ökologisch betrachtete. Nicht nur einmal überlegte sie sich, ihrem Lieblingsfach Biologie auch beruflich treu zu bleiben und in die Wissenschaft zu gehen. „Das wäre mir dann doch zu speziell geworden“, sagt Renate Richter.

Ihr Referendariat absolvierte sie in Hamburg, bevor sie 1987 am Gymnasium in Syke ihre erste Stelle als Lehrerin antreten konnte. „Die 13 Jahre in Syke waren eine tolle Zeit und haben mir viel Spaß gemacht“, blickt sie zurück. Dann wechselte sie nach Verden, wo sie keine Schüler, sondern zukünftige Lehrer ausbildete.

Auch der Landesschulbehörde waren die fachlichen Qualitäten von Renate Richter nicht entgangen und so wechselte sie als Schulrätin zur Landesschulbehörde Lüneburg. Auch hier war sie mit Engagement dabei, allerdings vermisste sie den „normalen“ Schulunterricht. Da passte es, dass das Gymnasium Ganderkesee zum 1. August 2005 eine neue Leiterin suchte.

„Ich kannte Ganderkesee bis dahin nicht. Gleich bei meiner ersten Begegnung war ich von diesem Ort fasziniert“, sagt Renate Richter. Beruflich ist sie angekommen und fühlt sich sehr wohl, nicht zuletzt auch wegen des engagierten Lehrerkollegiums, der netten Schüler und der positiven Elternschaft. Obwohl der Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Verwaltung liegt, lässt sie es sich nicht nehmen, Biologie zu unterrichten.

Auch die Musik gehört zu ihren Hobbys. Als Kind lernte sie Klavierspielen, aber später waren ihre geliebten Pferde wichtiger. Während des Studiums in Hannover spielte sie nicht nur wieder Klavier, sondern war auch Mitglied im Chor der Universität Hannover. Ihren Wohnort hat Renate Richter seit vielen Jahren in Bremen und wurde hier schnell Mitglied im Domchor.

Ihr großer Wunsch war es schon lange, in einem Orchester zu spielen. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, lernte sie, Fagott zu spielen. Heute gehört sie zum Vorstand und ist auch Ensemblemitglied im „Orchester der Musikfreunde Bremen“, mit dem sie am 6. November in der Bremer Glocke ein großes Konzert gibt.

So gerne Renate Richter auch Schulleiterin ist, so wichtig ist ihr auch das Abschalten vom beruflichen Alltag. Das gelingt ihr auch durch das Reisen: „Man muss auch einmal rauskommen, in eine völlig andere Welt.“

Renate Richter, Schulleiterin des Gymnasiums Ganderkesee