Streekermoor - Im Königreich Bhutan, einem Staat östlich von Nepal im Himalaya-Gebirge, verlieren Kinder ihre Chance auf Bildung und ein besseres Leben: weil ihre Eltern dringend der Hilfe beim Beackern der kargen Felder oder Beaufsichtigen von Vieh benötigen oder weil einfach das Geld für die vorgeschriebenen Schuluniformen fehlt.

Aus der Gemeinde Hatten kommt seit 2011 Hilfe für die Ärmsten der Armen. Der Förderverein für das unabhängige Königreich Bhutan vermittelt Patenschaften – häufig für Waisenkinder – und fördert mit konkreten Leuchtturmprojekten das Leben in dem Dorf Chendebji. Jüngster Coup: Über die Raiffeisen-Warengenossenschaft in Ganderkesee hat der Verein sieben Schnellkochtöpfe mit DHL direkt nach Bhutan liefern lassen. Ein Küchengebäude für das Dorf, Stromanschlüsse und Sanitäranlagen für die notwendige Hygiene waren bereits in den Vorjahren entstanden. 14 600 Euro hat die Bingo-Umweltstiftung dafür zur Verfügung gestellt. Der Verein selbst musste einen Eigenanteil von 2600 Euro stemmen, was dank einer privaten Spende gelang.

Im Dezember vorigen Jahres war die Bhutanerin Tshering Tshomo (28) in der Gemeinde Hatten zu Gast. Nicht nur, um Deutschland kennen zu lernen. Tshomo kümmert sich ehrenamtlich im Auftrag des Fördervereins um die Versorgung der Kinder in dem 35-Häuser-Dorf mit Schulessen. Sie selbst ging in Hatten nochmal in die Schule und lernte das Haltbarmachen von Gemüse und Obst durch Einkochen kennen. Die Idee dahinter: Da es den Menschen in Bhutan gerade im Winter an vitaminreicher Nahrung fehlt, könnte so ein wichtiger Beitrag für eine gesündere Ernährung geleistet werden. Bis Ende 2016 will der Verein auch noch die fehlenden Gläser ins Land bringen und mit einer Schulung vor Ort das Projekt zum Laufen bringen. „Das Dorfleben wird interessanter, die Menschen spüren, dass sich ihre Situation verbessert“, fasst Vorsitzender Khenpo P. Yeshi seine Eindrücke vom jüngsten Besuch in seinem Heimatland zusammen.

Der Förderverein vermittelt auch Patenschaften zu Kindern in ganz Bhutan. Ende 2015 wurden so 30 Kinder monatlich mit 25 Euro gefördert, noch in diesem Jahr sollen es 36 sein. Mit Hilfe des bhutanischen Partners, der Menjong Foundation, werden davon Schulsachen, Reis und ein kleines Taschengeld gezahlt. Verwaltet wird das Geld über die Stiftung und Lehrer in den Schulen. „Helfen wir einem Kind, später im Leben einen guten Job zu bekommen, helfen wir damit einer ganzen Großfamilie“, betont der buddhistische Lehrer und Vereinsgründer Yeshi. Pateneltern würden von den Kindern, darunter auch Waisen, als „göttliche Eltern“ bezeichnet.

An Ideen, wie es weitergehen könnte, mangelt es dem Verein nicht. Als ein Zukunftsprojekt gilt zum Beispiel das alte, zugige Schulgebäude in Chendebji – es könnte eine Sanierung dringend vertragen.

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten