Oldenburg - Noch heute bewahrt Manfred Wenzel die Erinnerung an seinen ersten Schultag. Er wurde am 12. April 1939 in Breslau/Schlesien eingeschult. „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage!“ Das Bibel-Wort aus Matthäus 28, 20 soll ihn ein Leben lang begleiten, so heißt es auf dem vergilbten Erinnerungsblatt aus der Erstklässler-Andacht. Und das ist gelungen, hat doch dieses Papier sogar die Flucht am Ende des Zweiten Weltkrieg überstanden. Heute hat Manfred Wenzel längst eine neue Heimat in Oldenburg gefunden.

Erst mit Schuhcreme musste der alte Knabenranzen von Gertrud Gallas gewienert werden, damit er wieder schwarz glänzte, als sie am 1. August 1942 zum ersten Mal in die Altenesch-Schule ging. Es gab weder eine Schultüte noch Süßigkeiten, aber ein schönes rotkariertes Kleid mit einem weißen Kragen. Am Abend zuvor hatte sie sich darauf gefreut, mit ihrer hübschen, jungen Mutter zur Schule zu gehen, aber stattdessen wurde sie von ihrer Großmutter begleitet. So berichtet sie. Die Mutter hatte unerwartet am Abend ein Telegramm vom Vater bekommen, der war von Leipzig aus nach Russland abkommandiert worden. Die Mutter wollte ihren Mann vorher noch einmal treffen. In der Schule sangen sie am ersten Tag dann gleich „Die Fahne hoch“ und hörten, dass sie als Soldatenkinder fleißig lernen müssten. Außerdem wurde ihnen gleich der Eingang zum Luftschutzbunker gezeigt. „Es war mehr Angst als Freude“, zieht Gertrud Gallas Bilanz.

Ulrike Heimann wurde gemeinsam mit 40 Mädchen im Frühjahr 1956 in Wiesbaden eingeschult. Alle seien sehr brav gewesen und schüchtern. „Weiße Kniestrümpfe, Röckchen, Kleidchen...“ Was in ihrer Schultüte war, weiß Ulrike Heimann nicht mehr, aber das sei für sie auch nicht so wichtig gewesen. Ihr erster Schultag war aber dennoch so beeindruckend, dass er Einfluss auf ihr ganzes Leben nahm. Die Lehrerin, Frau Hofmann, sei sehr jung und unheimlich nett gewesen. „Ich habe sie geliebt und auch später noch lange Kontakt zu ihr gehalten.“ Gleich am Ende des ersten Schultages habe sie zu ihrer Mutter gesagt: „Ich werde später auch mal Lehrerin.“ Und bei diesem Entschluss sei es geblieben, und sie ist tatsächlich Lehrerin geworden. „Der Beruf hat mir sehr viel Freude gemacht, wenn er auch in den letzten Jahren immer stressiger wurde.“