BOCKHORN - BOCKHORN - Sehr deutliche Aussagen lieferte Professor Dr. Heinz Buddemeier, Universität Bremen, zum Thema „Medien und Gewalt“ vor dem Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB). Rund 100 Zuhörer folgten Donnerstagabend seinen Erklärungen in der „Altdeutschen Diele“ in Steinhausen, und sie sahen sich konfrontiert mit einer massiven Stellungnahme in Bezug auf Amokläufer wie in Erfurt oder Emsdetten: „Keines der jüngsten Massaker hätte stattgefunden ohne Computerspiele.“

Buddemeier relativierte: „Natürlich wird nicht jeder, der mit Computern spielt, zum Mörder. Mediengewalt ist nur ein Faktor, dazu kommen Alkohol, Drogen, Armut, soziales Umfeld. Aber die Bildschirm-Gewalt ist der am stärksten wirkende Faktor.“ Der Bremer Professor stützte seine Aussagen auf die Auswertung von umfangreichen Studien in den USA und in Deutschland mit teilweise hunderttausenden von Teilnehmern. Er ging ins Grundsätzliche: „Die Darstellung von Gewalt im Fernsehen erhöht die Gewaltbereitschaft. Das ist der aktuelle Stand der Forschung. Jeder, der etwas anderes sagt, ist nicht im Bilde – oder lügt.“

Und diese Bildschirm-Gewalt ist massiv: „In 78 Prozent aller Sendungen im Fernsehen kommt Gewalt vor, überdurchschnittlich oft sogar in Kinderprogrammen.“ Das hat Folgen: „Entscheidend ist die Wirkung auf Kinder in den ersten sieben Jahren. Geraten sie später in Stress, greifen sie auf diese wie Trampelpfade angelegten Nachahmungsmuster zurück.“

Buddemeier: „Fernsehen an sich führt schon zu seelischen Störungen, wirkt bewusstseinsdämpfend, die Leute werden zu manipulierbaren Massenwesen.“ Die Inhalte würden seelisch betrachtet wie „Bildinjektionen“ wirken ähnlich wie beim Impfen: „Die Zuschauer gewöhnen sich an die halblebendigen Fernsehbilder, sie stumpfen ab.“ Also folgen die Programmplaner der einfachen Regel: „Je grausamer, je mehr gucken zu. Sie wollen nicht die Gewalt an sich, aber sie wollen die Quote.“

Und dann erst die Computerspiele, ein riesiges Geschäft mit Milliarden-Umsätzen allein in Deutschland: „In den Killerspielen, auf den LAN-Partys sehen die Spieler die Welt mit den Augen der handelnden Figuren – eine unglaubliche Identifikationschance, wie es sie noch nie gegeben hat. Die Spieler vertauschen ihr Ich gegen das schießende Ich, sie werden zum Programmteil, völlig fremdbestimmt.“ Bei ihren Amokläufen hätten Schüler getötet wie Profis, ohne je vorher wirklich geschossen zu haben. Buddemeier: „Heute nutzen Militärausbilder diese Computerspiele, um Tötungshemmnisse wegzutrainieren.“

Klar, dass die Suchtgefahr groß ist: „Die Folgen von Gerätedrogen“, so Buddemeier, „sind genauso schwer zu heilen wie Heroinsucht.“ Jeder zehnte Erwachsene, jedes zehnte Kind im Schulalter würde exzessiv spielen und habe bereits die Kontrolle über sein Gewalthandeln verloren. Nicht nur das: Es sei nachgewiesen, „dass diese Spieler krankhafte Veränderungen im Gehirn aufweisen, im Frontallappen des Vorderhirns, da, wo das logische Denken angesiedelt ist.“

Nächste Folge: Zwar würde die allgemeine Kriminalität zurückgehen, die Zahl der Gewaltdelikte von Jugendlichen sei in Deutschland aber von 1993 bis 2005 um 113 Prozent gestiegen. In den USA wird alles vorweggenommen: „In Washington gibt es schon Ausgangssperren für Teenager.“ Konsequenz für Buddemeier: „Gewalttätige Computerspiele müssen verboten werden, allein schon zur Gefahrenabwehr.“ Konsequenz für die Menschen: „Jeder kann gegen Gewalt in den Medien etwas tun, jederzeit und schon heute.“