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HINTERGRÜNDE „An allen Stellschrauben wird gedreht“

KAI HIPPEN

BOCKHORN - Zahlreiche Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen, Mitglieder des Bockhorner Gemeinderates und die CDU-Landtagskandidatin Elisabeth Onken fanden sich ein zu einem Informationsabend in Bockhorn zum Thema „Eigenverantwortliche Schule“. Referent im „Hotel Hornbüssel“ war Wolf-Dieter Hasenclever vom Niedersächsischen Kultusministerium, Gastgeber der Schulelternrat der Grundschule Bockhorn mit Christel Bartelmei an der Spitze. Für sie war die Frage war klar: „Die Eigenverantwortliche Schule ist für alle Beteiligten Neuland. Wie können Eltern, Schüler und Lehrer konstruktiv zusammenarbeiten?“ Auch Hasenclever sagte, dass es in den Schulen zu einem „Paradigmenwechsel“ komme: „Es wird an allen Stellschrauben, die mit Schule zu tun haben, gedreht.“ Anlass sei die Erkenntnis, dass Schulen mit den Methoden des 19. Jahrhunderts, mit Erlassen und Verordnungen, nicht mehr zu steuern seien, gerade auch mit Blick auf internationale Bildungswettbewerbe. Bislang sei das

Weiterreichen von Kenntnissen die Hauptaufgabe, jetzt werde es immer wichtiger, den Schülern auch soziale Kompetenz zu vermitteln.

In der Praxis werde die Gesamtkonferenz entmachtet zugunsten des neuen Schulvorstandes, betonte Hasenclever, „ein großer Schritt zur Demokratisierung der Schule“. Die Erziehungsverantwortung der Eltern würde gestärkt, ebenso die Position der Schulleiter, die künftig mit einem eigenständigen Berufsbild dank anspruchsvoller Führungsaufgaben ausgestattet würden.

Im Schulalltag sollen Routine und eingefahrene Praxis aufgebrochen werden: „Die Schüler stehen im Mittelpunkt, und die Politik gibt den Schulleitungen mehr Vertrauen.“ Dazu gehöre mehr Geld, erhöhtes Budget auch für Fortbildungen. Die Eltern müssten sich für ihre Aufgaben in den Schulvorständen ebenfalls stärker qualifizieren, dafür stünden „Elterntrainer“ zur Verfügung, die jeder Vorstand anfordern könne.

Erste Aufgabe eines Vorstandes sollte es Hasenclever zufolge ein, ein umfassendes Schulprogramm aufzustellen mit Prioritäten, als Instrument, um für Eltern und Lehrer Verbindlichkeiten herzustellen. Denn der Referent, selbst mit Erfahrungen als Lehrer und Schulleiter, sah auch die Gefahren der neuen Organisationsformen: „Es muss zwischen allen Beteiligten gut kommuniziert werden. Jeder sollte im Interesse der Kinder arbeiten und nicht gegen die Schulleitung angehen.“ Hasenclever: „Wir gehen nach vorn, aber es wird ein Weg mit Fehlern sein, die alle machen werden.“ Unter den Zuhörern war Skepsis zu spüren, es war sogar von „Irreführung“ die Rede, von „netten, aber verwaschenen Worten“, denn an der grundsätzlichen Unterrichtsversorgung mit „Lehrerstunden“ ändert sich nichts. Hasenclever blieb aber dabei: „Wir haben die Trendwende eingeleitet. Es gibt für die Schulen im Rahmen ihrer Ressourcen mehr Entscheidungsfreiheit.“

Mehr Verantwortung für Eltern

Fast alle

öffentlichen Schulen in Niedersachsen sind zum 1. August 2007 eigenverantwortlich geworden. Dazu muss jeweils ein Vorstand gewählt werden, der sich in der Regel zur Hälfte aus Vertretern der Lehrkräfte, der pädagogischen Mitarbeiter und der Schulleitung, zur anderen Hälfte aus Eltern und Schülern zusammensetzt. In Grundschulen gehen die Sitze der Kinder auf die Erziehungsberechtigten über, damit stellen die Eltern eine Hälfte des Schulvorstandes. Schulleiter haben den Vorsitz inne, bei Stimmengleichheit gibt ihr Votum den Ausschlag. Der Vorstand entscheidet unter anderem über die Verwendung der Haushaltsmittel

sowie Projekte, Schulprogramm und -ordnung.
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