BöSEL - Die Einweihung des Neubaus der Volksschule Bösel an der Fladderburger Straße im Jahr 1936 markierte nicht einfach nur die Eröffnung eines neuen Kapitels Schulgeschichte in der Gemeinde, sondern setzte gleichzeitig ein Zeichen gegen die Politik der Nationalsozialisten. Jetzt feiert die Einrichtung, die heute die St.-Martin-Grundschule beherbergt, ihr 75-jähriges Bestehen. Ein Anlass, um auf diese bewegte Vergangenheit zurückzublicken.

26. Oktober 1936: Die Böseler Volksschule wird eingeweiht. Der Oldenburgische Staatsminister Julius Pauly nimmt die Eröffnung vor. Der Böseler Pfarrer Franz Sommer ist aber nicht dabei – die Einweihung war so terminiert worden, dass Sommer verhindert war. „Die NSDAP wollte die Bekenntnisschulen abschaffen“, erklärt der heutige Leiter der Grundschule, Johannes Werner, weshalb die Kirche damals bei der Einweihung außen vor bleiben sollte. Doch Pfarrer Sommer lädt die Gemeinde im Gottesdienst zu einer geistlichen Einweihung der Schule am Tag nach der offiziellen Eröffnung ein – und die Bevölkerung folgt dieser Einladung.

Pfarrer Sommer, der als Kritiker und Gegner der Politik der NSDAP bekannt ist, überreicht sechs Kruzifixe, die er in den Klassenzimmern aufhängt. Daraufhin ergeht am 4. November 1936 der so genannte Kreuzerlass, der Kruzifixe und Lutherbilder in öffentlichen Gebäuden wie Schulen untersagt. Was folgt ist eine Protestwelle in der Bevölkerung, die nicht zu stoppen ist. Am 25. November wird der Erlass zurückgenommen – ein Sieg für die Kirche ebenso wie für die Bürger und eine Niederlage für die Nationalsozialisten.

„Diese Schule sollte damals für die Regierung ein Prestigeobjekt sein“, sagt Johannes Werner. Die Bauplanung sei modern gewesen. Im Keller wurde eine große Küche und zwölf Duschen eingerichtet. Werner: „Wir vermuten, dass von vornherein geplant war, die Schule auch für andere Zwecke zu nutzen.“ So kam es dann auch: Im Zweiten Weltkrieg wurde in dem Gebäude ein Lazarett eingerichtet. Die Kreuze, die Pfarrer Sommer 1936 gesegnet und in den Klassenzimmern aufgehängt hatte, hängen dort bis heute an den Wänden. Werner: „Und eine Replik davon gibt es im Rathaus.“

Die Vergangenheit der Schule soll zum Jubiläum mit einer kleinen Ausstellung unter Mithilfe des Heimatvereins Bösel dokumentiert werden. Der Festakt für geladene Gäste findet am Freitag, 1. Juli, ab 17 Uhr statt. Dann referiert Dr. Hubert Gelhaus über den Kreuzerlass und die Hintergründe zur Einweihung.

Am Sonnabend, 2. Juli, öffnet die Schule von 14 bis 17 Uhr für alle interessierten Besucher. Dann präsentieren die Schüler die Ergebnisse von zwei Projekttagen zu verschiedenen Themen in Form mehrerer Ausstellungen. Außerdem organisieren die Eltern eine Cafeteria.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg