BöSEL - Harald Nienaber von der Polizeiinspektion Cloppenburg besuchte die 7. Klassen. Thema: Vermeiden von Gewalt.

Von Steffen Szepanski

BÖSEL - Das Handy ist weg und sein Besitzer noch dazu verletzt. Der Schüler aus der 7. Klasse hatte gegen den wesentlich größeren Neuntklässler keine Chance. Ein Problem haben jetzt beide: Der Täter, der von einem Zeugen beobachtet wurde, und das Opfer, das mit den psychischen Folgen der Gewalttat zurechtkommen muss. Zum Glück handelt es sich bei der Tat, von der Harald Nienaber vor der Klasse 7 Ra der Haupt- und Realschule Bösel spricht, um einen hypothetischen Fall. Allerdings um einen Fall, wie er ähnlich immer wieder an deutschen Schulen vorkommt. Um es gar nicht erst zu solchen Taten kommen zu lassen, arbeitet die Polizeiinspektion Cloppenburg eng mit den Schulen im Landkreis zusammen. Harald Nienaber kommt in die Schulen und spricht mit den Schülern über Gewalt.

Für zwei Stunden besucht Nienaber die Zwölf- bis 13-Jährigen, die in drei Unterrichtsstunden von ihrer Klassenlehrerin Margareta Tholen auf das Thema vorbereitet worden sind. Er lässt die Kinder den Begriff Gewalt definieren, klärt über mögliche Strafen für Gewalttäter auf und gibt den Schülern Aufgaben. So sollen sie sich etwa Gedanken darüber machen, wie sie sich in einer Situaton, in der sie bedroht werden, verhalten sollten oder was ein Zeuge zu tun hat.

Melanie Weigelt und Maik Willenbring sind schon Opfer von Gewalt geworden. Die 13-Jährigen sind von anderen Schülern geschlagen worden. „Ich habe mich gewehrt“, sagt Maik. Das kann allerdings zu einer Eskalation der Gewalt führen. „Wegrennen ist keine Schande und oft die bessere Lösung“, macht Nienaber klar. Auch der Ruf nach Hilfe macht nicht einen feigen, sondern eher cleveren Schüler aus.

Melanie ist wichtig, dass sie gelernt hat, wie sie sich als Zeugin einer Gewalttat zu verhalten hat. Es gelte, dem Opfer zu helfen aber sich möglichst nicht selbst in Gefahr zu bringen. Wichtig sei, genau zu beobachten, was passiere, um der Polizei den Tathergang beschreiben zu können und, so man den Täter nicht selbst in die Flucht schlagen könne, zumindest beim Opfer Erste Hilfe zu leisten. „Der Unterricht hat mir viel gebracht“, sagt Melanie.

Nienaber leitet in allen vier 7. Klassen des Schulzentrums zwei Schulstunden Unterricht. „In den 7. Klassen sind die Kinder in einem Alter, in dem einige von ihnen schon auffällig werden“, sagt der Polizeibeamte. „Sie sind aber auch in einem Alter“, sagt Tholen, „indem sie offen für diese Art von Unterricht sind.“ Die Klassenlehrerin der 7 Ra hat die Schüler mit Unterrichtsmaterialien der Polizei vorbereitet. „Mir ist aufgefallen, dass die Schüler über das Thema sprechen wollten“, sagt Tholen.

Auch auf einem Elternabend, auf dem die Präventionsarbeit angekündigt worden war, hat sie gemerkt, dass das Thema auf großes Interesse stößt. „Schließlich kommen auch bei uns Schlägereien ab und zu vor“, sagt Tholen. „Ich denke, es ist noch nicht so schlimm wie in Großstädten, aber die Gewalt nimmt zu.“