BöSEL - An der Wand hängt ein zusammengeklapptes, silbern glänzendes Taschenmesser. Daneben das Gemälde eines halb geschälten Apfels – die Schale hängt leicht verdreht vom Apfel herunter. Alles ist auf Fliesen festgehalten, gerahmt von braunen Kacheln. Darauf steht: „An apple a day keeps the doctor away“ (Iss einen Apfel am Tag, und Du hast Dir den Arzt gespart). Mit Stolz blickt Benno Grafe auf das Kunstwerk: „Das habe ich zum Abschied bekommen.“ Der heute 68-Jährige ist ehemaliger Schulleiter der Haupt- und Realschule Bösel. Er war dafür bekannt, täglich einen Apfel zu essen.

Das Kunstwerk hängt auf der Terrasse von Benno Grafe. Abschied von der Schule hat Benno Grafe im Jahr 2003 genommen. Als Erinnerung hat er das Kunstwerk von seinen Schülern und dem Kollegium geschenkt bekommen. „Ich vermisse die Schule nicht. Aber ich werde ja auch noch bestens auf dem Laufenden gehalten“, sagt Benno Grafe (68).

Er hat den Kontakt bestimmt nicht verloren. Einmal pro Woche gibt er Mathe-Förderunterricht: „So bleibt man noch ein bisschen drin.“ Bei Lesewettbewerben ist er immer Jury-Mitglied, und auch bei der Schulentlassung am vergangenen Freitag war Benno Grafe dabei.

Als Benno Grafe 1966 nach Bösel kam, ahnte er noch nicht, dass er bald der Leiter einer Haupt- und Realschule sein würde. Denn damals war die Schule noch eine Volksschule (1. bis 8. Klasse). Im Jahr 1978 wurde Benno Grafe schließlich Schulleiter – etwa zeitgleich auch Anwohner des Hölker Weges.

1976 begann das Ehepaar Benno und Hedwig Grafe hier zu bauen. „Wir haben drei oder vier Ferien komplett investiert“, sagt Grafe. „Ostern haben wir die Grundmauern gebaut, im Sommer kam dann der Rohbau dran.“ 1977 zog die Familie, die vorher ein Reihenhausendstück bewohnte, in die neue Siedlung. Seit langem gehören auch die Grafes zu den „Hölkern“, Bennos Grafes drei Kinder sind echte „Hölkies“ und zu großen Feiern kommen auch die Kinder, die nicht mehr in der Region wohnen, wieder in die alte Nachbarschaft zurück.

Benno Grafe kommt indes auch ohne Schule gut zurecht: in zwei Clubs spielt er Skat, er singt im Chor, gibt den Spräkrohr mit heraus und pflegt das Totenbuch der Kirchengemeinde – dort sind alle Verstorbenen seit 1874 aufgeführt. Auch um den Hölker Weg kümmert er sich: Gemeinsam mit seiner Frau pflegt er den Garten und immer wieder auch die gute Nachbarschaft.