BöSEL - Bösels Gemeinderat hält am Baubeginn des Ganztagsschulbereiches fest. Allerdings stehen die erforderlichen Förderbescheide noch aus.

Von Thomas Haselier

BÖSEL - Der Beschluss sieht eindeutig aus, aber das Unbehagen bleibt: Als der Rat der Gemeinde Bösel am Montagabend den schnellstmöglichen Baubeginn des Ganztagsschulbereichs für die Haupt- und Realschule sowie – daran gekoppelt – den Um- und Ausbau der Grundschule St. Martin beschloss, mag der eine oder andere Ratsherr Angst vor der eigenen Courage gehabt haben. Denn es geht um Millionen, die eigentlich vom Land Niedersachsen kommen sollen.

Im Prinzip ist unstrittig, dass das Böseler Schulprojekt gefördert wird aus Mitteln des Investitionsprogramms Zukunft, Bildung und Betreuung (IZBB). Doch der eigentlich seit langem erwartete Förderbescheid steht noch aus und wird in diesem Jahr wohl auch nicht mehr kommen. Was immer das bedeutet: Ganz sicher kann sich in Bösel niemand sein, wie hoch der Landesbeitrag, bei dem es sich in Wahrheit um die Verteilung von Bundesmitteln handelt, für das Ganztagsangebot letztlich sein wird. „Nicht dass am Ende der neue Bürgermeister als erste Amtshandlung die Zahlungsunfähigkeit der Gemeinde feststellen muss“, formulierte ein Ratsherr sarkastisch. Denn so ganz leuchtet es nicht ein, warum sich der Bescheid so lange verzögert. So mancher Kommunalpolitiker argwöhnt, das am Ende weniger Geld fließen wird als anfangs vollmundig versprochen.

Bis 2007 sollen insgesamt 174 Schulen IZBB-Fördermittel erhalten, darunter auch Bösel. So hatte es Kultusminister Bernd Busemann (CDU) noch im Juli mitgeteilt. Von dem Investitionsvolumen in Höhe von rund drei Millionen Euro sollte Bösel einen Anteil von 1,59 Millionen Euro als Fördersumme erhalten. Hinzu könnten Mittel aus der Kreisschulbaukasse kommen, wodurch das gesamte Projekt trotz klammer Haushaltskassen finanzierbar erscheint. Doch eine verlässliche Zusage steht noch immer aus.

„Wir haben dessen ungeachtet keine Alternative zu dem Bau, denn das Ganztagsangebot ist unverzichtbar“, drängte CDU-Ratsherr Reinhard Lanfer zur Eile und mokierte sich über den Bürgermeister einer anderen Gemeinde, der im Zusammenhang mit Ganztagsangeboten abfällig von „ein paar Tänzchen am Nachmittag“ in den Schulen gesprochen hatte. Veränderte gesellschaftliche Bedingungen machten das Angebot auch für Böseler Familien zwingend notwendig, sagte Lanfer weiter.

Dieser Auffassung schloss sich der Rat letztlich einstimmig an und beschloss, auch ohne Förderbescheid zu bauen.