Bohlenbergerfeld - Normalerweise herrscht um diese Zeit im Schulmuseum in Bohlenbergerfeld schon rege Betriebsamkeit: Gruppen kommen mit Bussen aus der ganzen Region, um historische Unterrichtsstunden zu erleben und die Ausstellung anzusehen, im Dorfcafé treffen sich Vereine und Gruppen zu Versammlungen und zu Kaffee und Kuchen. Doch wegen der Corona-Krise ist das Schulmuseum immer noch geschlossen. Hinter verschlossenen Türen arbeitet die Geschäftsführerin Heike Ahlborn aber schon an der nächsten Ausstellung.

Geplant ist eine Sonderausstellung mit dem Titel „Ende und Anfang: Schule nach 1945 im Spiegel schulischer Medien“. In Kooperation mit der Sonderausstellung des Schlossmuseums Jever „Ende und Anfang: Kriegsende 1945 und Nachkriegszeit im Oldenburger Land“ sollte sie am 8. Mai dieses Jahres, genau 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, eröffnet werden. Das wird aber nicht in gewohnter Form möglich sein, da nach wie vor die Abstandsregelungen gelten.

Deswegen plant die Museumsleitung jetzt eine „stille“ Eröffnung der Ausstellung. Heike Ahlborn hofft, dass die Menschen dann bald wieder ins Schulmuseum kommen können, um sich die Ausstellung anzusehen. Denn sie beleuchtet einen wichtigen und oft vergessenen Ausnahmezustand in der Bildung in Deutschland.

Die Ausstellung hat zum einen unter dem Aspekt „Ende“ die Aufarbeitung des Nationalsozialismus’ und der Folgen des Zweiten Weltkrieges in exemplarisch gezeigten Schulwandbildern der frühen 50er Jahre zum Thema. Der Aspekt „Anfang“ dieser Kabinettausstellung wird mit den Schulwandbildern zur jungen Demokratie und den Beispielen der sogenannten Notfibeln sowie Fibeln mit dem Vermerk der britischen Besatzungsmacht zum Gebrauch in Schulen abgedeckt.

„Es ist schon fast aus dem Gedächtnis verschwunden, dass die schulische Bildung in ganz Deutschland mit dem Kriegsende am 8. Mai 1945 zunächst völlig brach lag und erst im Herbst 1945 langsam wieder begann“, sagt Heike Ahlborn. Sowohl der Mangel an adäquatem Unterrichtsmaterial ohne den Makel nationalsozialistischer Propaganda als auch das Bestreben der Besatzungsmächte, eine sogenannte „Re-education“ der deutschen Bevölkerung zu initiieren, mache die noch vorhandenen Fibeln, Lesebücher und Schulwandbilder so interessant.