Friesoythe - Leonardo, Jonathan, Carolina und Emily können fließend Deutsch sprechen und haben sich bereits gut in Friesoythe eingelebt. Die vier aus La Paz in Bolivien sind seit dem 18. September als Austauschschüler zu Gast im Nordkreis.
Die 16-Jährigen von der Deutschen Schule „Mariscal Braun“ nehmen am Unterricht der zehnten Klassen des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) teil. Dabei leben sie bei ihren „Austauschbrüdern- und schwestern“, wie die Bolivianer ihre deutschen Klassenkameraden nennen. „Wir gehen zusammen zur Schule und in die gleiche Klasse, wohnen im gleichen Haus und gehen zusammen zu Partys“, sagt Jonathan, der schon viele Kontakte geknüpft hat.
„Ich liebe Fußball und spiele jetzt zusammen mit Leuten aus meiner Klasse. Dabei habe ich auch Freunde an anderen Schulen kennengelernt.“ Die Deutschen hingegen seien im Vergleich zu den Bolivianern nicht so kontaktfreudig: „Es ist sehr schön hier, aber ganz anders. Die Menschen hier gehen ein bisschen auf Abstand und sind distanzierter“, findet Leonardo.
Bolivien ist ein Binnenstaat in Südamerika, der 1825 seine Unabhängigkeit von Spanien erklärte.
Mehr als zehn Millionen Menschen leben in dem Land, das eine Fläche von 1 098 581 Quadratkilometern hat und etwa zweimal so groß ist wie Spanien. Die Hauptstadt ist Sucre.
Das Land ist überwiegend römisch-katholisch geprägt. Neben evangelikalen Kirchen haben auch alte Naturreligionen Einfluss.
Das zeigt sich auch im Unterricht. „Hier sind die Schüler alle ruhig. An unserer Schule sprechen wir während des Unterrichts und sind laut“, erklärt Jonathan. „Und wir haben eine enge und gute Verbindung zu unseren Lehrern“, ergänzt Emily.
Im Schulalltag finden sich die vier Bolivianer ansonsten gut zurecht. „Sie sind sehr selbstständig und interessiert und haben sich hier sehr gut eingefügt“, sagt Lehrerin Brigitte Fabian, die den Austausch betreut. Dieser findet zum ersten Mal statt. Mehr als 40 Schüler der Deutschen Schule „Mariscal Braun“ sind über das ganze Bundesgebiet verstreut, so auch in Friesoythe. Im Gegenzug können die Schüler des AMG im nächsten Jahr ihre bolivischen Gäste für drei Monate besuchen. Allerdings herrsche bei einigen Schülern eine gewisse Angst, weil sie nicht wissen, wie es in einem südamerikanischen Land ist, sagt Brigitte Fabian.
Die Bolivianer sind sich hingegen einig: Sie fühlen sich in Deutschland sehr wohl und möchten noch einmal hierher kommen. Carolina und Emily haben sogar später vor, in Deutschland zu studieren.
Ihr Gastland haben sie dabei schon gut kennengelernt. So stand eine gemeinsame Berlinfahrt auf dem Programm, aber auch Ausflüge mit ihren jeweiligen Austauschfamilien nach Amsterdam, Bremen oder Hannover.
Am 10. Dezember endet der offizielle, dreimonatige Austausch. Danach haben die Schüler ganz unterschiedliche Pläne. Einige bleiben noch in ihren Gastfamilien, reisen zurück nach Bolivien oder machen eine Europareise.
