BONN/DORTMUND - Kommunikationsfähigkeit ist gefragt. Managementfunktionen werden immer wichtiger.

Von sabine Schrader

BONN/DORTMUND - Seit diesem Sommer haben sie einen neuen Namen: Die Azubis in den Arztpraxen lernen nun den Beruf „Medizinische Fachangestellte“. Meistens sind es Frauen – bislang kannte man sie als Arzthelferinnen. Doch nun wurde die Ausbildungsverordnung den Erfordernissen an eine moderne Patientenversorgung angepasst.

Auch die Schwerpunkte der Ausbildung haben sich verändert. Künftig erhalten kommunikative Fähigkeiten, Patientenorientierung, Gesundheitsförderung und Praxismanagement einen höheren Stellenwert.

Die Zeit, in der ein Patient auf die Behandlung wartet, können die Medizinischen Fachangestellten z.B. nutzen, um ihn auf Vorsorgeuntersuchungen, Selbsthilfegruppen und eine gesunde Lebensführung hinzuweisen. „Medizinische Fachangestellte sollen die Patienten betreuen und begleiten“, sagt Gisela Mettin. „Gerade bei langjährigen Patienten wissen sie meist genau, wer beispielsweise noch nicht bei einer Krebsvorsorge war“, so die Expertin vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

„Die Beratung und Betreuung des Patienten wird jetzt noch intensiver vermittelt“, bestätigt Claudia Magyar vom Berufsverband der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen (BdA) in Dortmund. Der Beruf werde dadurch aufgewertet.

Ein Muss für die Medizinischen Fachangestellten ist das Beherrschen von Terminplanung und Zeitmanagement. „Zeitoptimierung soll für beide Seiten – Arzt und Patient – zu mehr Zufriedenheit führen“, sagt Thekla Franke, Vizepräsidentin der Landesärztekammer Thüringen in Jena.

Die Aufgaben reichen vom Selbstmanagement über effektive Teamarbeit bis hin zum Marketing. Letzteres bedeutet, durch Zuwendung und Freundlichkeit gegenüber dem Patienten zu einer positiven Außendarstellung der Praxis beizutragen. Neu als Ausbildungsinhalt aufgenommen wurde zudem das Qualitätsmanagement.

„In den Arztpraxen hat sich der Verwaltungsaufwand stark verdichtet“, erklärt Claudia Magyar. Dokumentation und Datenschutz seien deshalb wichtiger geworden. Die Medizinischen Fachangestellte erlernen den Umgang mit Branchen- und Standardsoftware, externem und internem Datenaustausch, Dateneingabe und -verarbeitung. Außerdem müssen sie im Auftrag des Arztes neue Erkenntnisse über die Behandlung von Krankheiten im Internet recherchieren können, ergänzt Gisela Mettin.

Der praktische Teil der dreijährigen Ausbildung nach dem dualen System verändert sich kaum. In der Berufsschule hingegen werden künftig fast alle Inhalte in Form von Modulen unterrichtet.

„Prävention, Diagnostik und Therapie werden jeweils auf eine bestimmte Krankheit bezogen vermittelt statt getrennt voneinander in Fächer wie Anatomie oder Physiologe einzufließen“, sagt Thekla Franke. Insgesamt werde die Stundenzahl für medizinische Inhalte verringert. Auch Laboruntersuchungen erhalten weniger Raum.

Mit 350 000 beschäftigten Arzthelferinnen bundesweit bilden sie nach den Pflegeberufen die zweitgrößte Gruppe innerhalb der Gesundheitsberufe. Bisher wurde die Tätigkeit fast ausschließlich von Frauen ausgeübt.

Beschäftigungsmöglichkeiten für Medizinische Fachangestellte gibt es auch in Reha-Zentren und Kliniken. Die Verdienstaussichten liegen für Berufsanfänger laut Tarif bei rund 1300 Euro monatlich. Ein Weg zu mehr Verdienst sehen Experten in der Weiterbildung zur Praxismanagerin.

verbandsinfos im Internet: www.bda-online.de