Bookholzberg - Viele alte Volksschulen, die Ende der 1960er Jahre geschlossen wurden, werden heute noch als Kitas oder Grundschulen genutzt. So auch in Bookholzberg: Wo heute die Kita „Sonneninsel“ beheimatet ist, war früher die sogenannte Nordschule. Erbaut wurde sie 1909, bevor der Ort Bookholzberg seinen heutigen Namen trug.
Es war nicht die erste Schule für die Region: Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Schule „Grüppenbühren II“ gebaut, nachdem es vorher bereits Unterricht in Hohenböken gegeben hatte. 1908 brannte diese Schule ab und wurde als Südschule oder sogenannte „Sandschule“ neu gebaut, ein Jahr später folgte am heutigen Vollersweg „Grüppenbühren II Nord“ – die Nordschule. Weil es von dort aus nicht weit zum Moor war, wurde sie auch „Moorschule“ genannt.
In Holzschuhen zur Schule
Im Jahr 1953 wurde diese Schule umfangreich ausgebaut, weil sie für die weit über 100 Schüler zu klein geworden war – da war Heiko Ahlers’ Schulzeit in der Nordschule gerade zu Ende.
„Ich bin zu Fuß in Holzschuhen dorthin gegangen“, erinnert sich der 81-Jährige, der 1945 eingeschult wurde. Der Weg vom Hof seiner Eltern, der nahe der Grenze zu Neuenlande liegt, war damals ein unbefestigter Sandweg – was Ahlers aber nicht schlimm fand: „Wir waren das damals so gewohnt.“
Den Unterricht in der Unterklasse mit vier Jahrgängen hat Ahlers in guter Erinnerung: „Es gab viele Wiederholungen für uns, wenn die vorderen Reihen etwas gelernt haben. Das war nicht zu unserem Schaden.“
Die Schulen in Bookholzberg Mitte der 60er Jahre:
Schulleiter: Herrmann Siemers, Konrektor: Hans Kragl
Zum Schulalltag gehörte damals strenge Disziplin. „Da knallte auch schon mal der Rohrstock von Lehrer Wiechmann auf den Tisch“, sagte Ahlers – direkte Prügel vom Lehrer gab es aber nicht, dafür jedoch Nachsitzen. Herumgerenne war nach den Pausen ebenfalls tabu: „Wir mussten uns gruppenweise in Zweierreihen vor der Klasse aufstellen und nacheinander geordnet in den Raum gehen.“
Einige Jahre später – 1959 – kam die Ur-Bookholzbergerin Frauke Düßmann in die erste Klasse der Nordschule. Den alten Pfad zur Schule hat sie heute direkt vor dem Wohnzimmerfenster: „Mein Schulweg wurde damals kürzer, als mein Opa Land an die Gemeinde abgegeben hat. Dort wurde dann dieser kleine Pfad abseits der Nutzhorner Straße eingerichtet, an der die Schulkinder aufgrund der vielen Lkws nicht mehr entlanglaufen sollten.“
Englisch für die Besten
Zu ihrer Zeit war die Moorschule bereits stark gewachsen: „Alle Jahrgänge hatten damals einen eigenen Raum, wir waren ein großes Dorf.“ Das zeigte sich auch im Unterrichtsangebot. „Wer in Deutsch eine Eins oder Zwei hatte, konnte Englisch lernen“, so Düßmann. Sie selber war dafür nicht talentiert genug, berichtet sie. „Da hieß es ,Lern du man Düütsch’.“ Trotzdem ging sie gerne zum Unterricht. „Wir Mädchen mochten das ja eher als die Jungs.“
Heiko Ahlers erinnert sich noch gut an die Ankunft von Flüchtlingen zu Beginn seiner Schulzeit: „Die kamen in Pferdewagen aus der Wesermarsch.“ Seine Eltern nahmen damals eine Familie auf, weshalb er später immer mit mehreren Kindern zur Schule ging. „Da war gut was los in der Schule“, blickt er zurück. Auch Frauke Düßmann erlebte die Flüchtlingsfamilien noch. „Am Heideweg gab es damals viele Baracken, wo die gewohnt haben“, sagt sie.
Sonnabends Gartenarbeit
In der fünften Klasse gab es in den 60ern auch am Samstag noch Unterricht. „Wie jeden Tag, von 8 bis 13 Uhr“, erklärte Düßmann. Die letzte Stunde war jedoch stets dem Schulhof gewidmet: „Da stand dann Gartenarbeit für alle auf dem Plan.“ Das war für sie aber auch schon das Ende ihrer Zeit an der Nordschule: „Ich bin in die Mittelpunktschule gegangen, in der Nordschule gab es nur noch die Jahrgänge eins bis vier.“
Grund war, dass die Nord- und Südschule in Bookholzberg 1963 zusammengelegt wurden und die Südschule von da an der Hauptstandort war. Seit 1994 benutzt die Kita „Sonneninsel“ das Gebäude der ehemaligen Nordschule.
