BOOKHOLZBERG - Die Mehrheit der Eltern, die am Mittwochabend zur Informationsveranstaltung in die Aula des Schulzentrums Bookholzberg gekommen waren, könnten sich mit einer Gesamtschule in der Gemeinde wohl anfreunden. So viel wurde am Applaus deutlich. Aber waren es genügend, um dieses zusätzliche Angebot auch aufrecht zu erhalten? Zieht man von den rund 80 Besuchern die zahlreichen Ratspolitiker und Schulleiter ab, blieben gut 50 Erziehungsberechtigte – angeschrieben hatte die Gemeinde 650 Familien von Erst- und Zweitklässlern.

Ihnen stellte Regierungsschuldirektor Klaus Kapell die Hürden für die Einrichtung einer Gesamtschule – sei es kooperativer (KGS) oder integrierter (IGS) Art – vor. Dabei wies er auch auf die möglichen Auswirkungen auf Schüler (auch anderer Schulformen) hin, wie längere Fahrzeiten oder ein Losverfahren bei zu großer Nachfrage.

Während Kapell die rechtlichen Vorgaben erläuterte und verteidigte, sahen Thomas Eden, Jahrgangsleiter der IGS Delmenhorst, und einige Eltern in ihnen eine politisch gewollte Hürde, um Gesamtschulgründungen zu verhindern. Besonders die vorgeschriebene Fünfzügigkeit, die 105 (KGS) oder 130 (IGS) Schüler pro Jahrgang nötig macht, kritisierte der frühere Gymnasiallehrer.

Die Leiterin des Gymnasiums Ganderkesee, Dr. Renate Richter, wies auf die Gefahr hin, eine Gesamtschule in Ganderkesee könnte langfristig ihre Schule gefährden. Ein attraktives Angebot sei nur mit der derzeitigen Größe aufrecht zu erhalten.

Genau diese Größe ist aber einigen Eltern ein Dorn im Auge. Auch wurde Kritik an mangelnder Förderung von Kindern „außerhalb der Norm“ laut. Kapell und Richter verwiesen indes darauf, dass eine „ausgewachsene“ Gesamtschule gleich groß sei.

Den im Gemeindeelternrat ermittelten Elternwillen fasste Sven Jochims, Vorsitzender des Gremiums, zusammen: „Wenn es eine Gesamtschule geben sollte, dann nur als IGS. Wenn eine IGS, dann nur mit Oberstufe und der Möglichkeit, Förderschüler aufzunehmen.“

Grünen-Chef Oscar von Ewald forderte „als Vater“, den Eltern die Entscheidungsmöglichkeit zu lassen und nicht Ängsten vor Zahlen zu erliegen. Er sprach sich für eine Kooperation mit Delmenhorst und Hude aus, um die notwendigen Schüler zusammenzubekommen. „Wir sollten alles daransetzen, dieses zusätzliche Angebot zu bekommen – in der Gemeinde oder im Einzugsbereich.“