BOOKHOLZBERG/GANDERKESEE - Geht es nach dem Willen der Ganderkeseer SPD, dann wird die Schullandschaft in der Gemeinde in den nächsten Jahren umgekrempelt: Am Montagabend beschloss der Ortsvereinsvorstand einen Antrag an die eigene Fraktion, wonach die Haupt- und die Realschule Bookholzberg in eine Integrierte Gesamtschule (IGS) umgewandelt werden sollen. Wenn der erste IGS-Jahrgang die 11. Klasse erreicht, solle auch eine gymnasiale Oberstufe hinzugefügt werden.
Aktueller Anlass für den Antrag sind laut SPD-Fraktionsvorsitzendem Hans Mestemacher die zurzeit laufenden Beratungen auf Kreisebene über den Schulentwicklungsplan. Da solle das Vorhaben mit hinein. Klar sei, dass die Umwandlung nicht holterdiepolter komme: Sie sei machbar, wenn die Landesregierung wie angekündigt das Schulgesetz so geändert habe, dass neue Gesamtschulen möglich sind.
Integrierte Gesamtschulen, so argumentiert die SPD, seien ein wesentliches Element in der deutschen Schullandschaft – das aber „im Landkreis Oldenburg vollkommen fehlt“. Viele Eltern aber wollten die IGS. Doch ihr Wunsch könne nicht erfüllt werden – auch, „weil die IGS in Delmenhorst völlig überlaufen ist und keine Schüler von außerhalb aufnimmt.“
Bei den betroffenen beiden Bookholzberger Schulen stieß der SPD-Antrag auf Kritik, ja Ablehnung. Er „halte das für einen Schnellschuss ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen“, monierte Hauptschulleiter Friedrich Stürzekarn. Nach OS-Abschaffung (2004) und Einführung der eigenverantwortlichen Schule (2007) und den damit verbundenen organisatorischen Änderungen wäre es gut, wenn sich die Schule jetzt wieder auf den Unterricht konzentrieren könne.
Auch Realschul-Konrektor Jan-Michael Braun bedauerte, dass die SPD-Pläne zuvor nicht diskutiert wurden. Er bezweifele, dass das Schulzentrum zurzeit genügend Räume für eine IGS habe. Und: Angesichts der dann veränderten Schülerströme frage er sich, ob sich die Gemeinde eine Konkurrenz zum Gymnasium leisten könne.
Am Gymnasium selbst gab Direktorin Dr. Renate Richter zu bedenken, „dass eine Schule eine gewisse Größe benötigt, um ein differenziertes und attraktives Angebot zu machen“. Wenn hingegen die Schülerzahl und als Folge davon auch die Lehrerzahl unter ein gewisses Niveau sinken, „hat das Auswirkung auf das Angebot – das ist unausweichlich“. Das gelte auch für die Oberstufe.
Indes: Hans Mestemacher ist davon überzeugt, dass die IGS nicht „zur bedrohlichen Konkurrenz für das Gymnasium“ würde. Die Erfahrung in Delmenhorst zeige, dass ein Nebeneinander funktioniere. Auch sei die IGS nicht allein für die Gemeinde Ganderkesee gedacht, „sie könnte auch für Schüler aus Wüsting, Hude oder dem weiteren Landkreis interessant sein“.
