BOOKHOLZBERG - „Was nicht schriftlich festgehalten wird, geht verloren.“ Ein aus Hannover angereister Zeitzeuge brachte es auf den Punkt. Diese Gefahr besteht in Bookholzberg nicht mehr. Als „Zwischenschritt“, wie Professor Lutz Walk ausdrücklich betonte, stellte der Arbeitskreis Stedingsehre am Donnerstag seine erste Dokumentationsmappe vor.
Die sei aber weder das Ende des Arbeitskreises, so Walk, noch sei die Mappe endgültig. „Es ist eine, mit der man arbeiten kann“, betonte auch Professor Gerhard Kaldewei. Der Historiker und Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur leitet den rund 20 Personen aus Bookholzberg – aber auch aus vielen umliegenden Gemeinden – bestehenden Arbeitskreis. „Die didaktische Mappe ist eine Aufforderung sich mit dem Thema zu beschäftigen – in Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen.“ Aus diesem Grund habe sich der Arbeitskreis auch gegen einen festen Einband entschieden. Vielmehr habe man den Textteil und viele Nachdrucke zeitgeschichtlicher Dokumente lose in eine Mappe gelegt. Eine solche „Quellenmappe“ sei auch für seinen Verlag bisher einmalig, gestand ein vom Ergebnis „sehr begeisterter“ Florian Isensee. „Da man das Material in die Hand nehmen kann, wird man selber ein Stück weit zum Historiker. Diese Mappe im Geschichtsunterricht auf den Tisch gelegt, ist
wunderbar“, meinte ein Verleger, der bedauerte, „dass ich nicht mehr zur Schule gehe und die Mappe nutzen kann“.
Zusammengetragen hat der Arbeitskreis das Material aus historischen Unterlagen, vor allem aber aus Andenken und Erinnerungen von Zeitzeugen und derer Familien. Walk: „Auf Bookholzberger Böden schlummern manche Schätze.“ Die Arbeit sei nicht von Wissenschaftler geleistet, sondern „von Menschen, deren Erfahrungshintergrund die Grundlage bildeten“.
Einige Zeitzeugen berichteten auch anlässlich der Präsentation von ihren Erinnerungen. So wusste Walter Hische, der als junger Zimmermann für drei Reichsmark die Woche am Bau des Spieldorfes beteiligt war, zu berichten, dass das Holz aus Eichen aus Mitteldeutschland stammte. Und Johannes Rodiek erinnerte sich, wie er als zehnjähriger Hitlerjunge die Besucher begrüßen musste und sich dann die Aufführung „De Stedinge“ vom Rand aus anschauen durfte.
Seit rund drei Jahren befasst sich der Arbeitskreis mit dem, so Walk, „ganz besonderen Ort“. Dabei habe man sich bewusst nicht allein auf die Zeit des Nationalsozialismus’ beschränkt. „Der Ort hat eine sehr bewegte, unterschiedliche Geschichte“, meint Kaldewei. Und die sei fast komplett aufgearbeitet worden. „Er hat aber auch eine Gegenwart – und eine Zukunft, hoffe ich.“
Damit sprach der Historiker Ideen des Arbeitskreises an, auf dem Gelände des Berufsförderungswerkes Weser-Ems (bfw) ein Dokumentations- oder Informationszentrum zu errichten.
500 Freiexemplare für Schulen Die im Isensee Verlag
