BOOKHOLZBERG - Von einer „guten Chance, eine Gesamtschule zu bekommen“ hatte Ratsherr Carsten Jesußek im Vorfeld der SPD-Infoveranstaltung gesprochen und sogar einen „deutlichen Wunsch der Eltern“ ausgemacht – doch die geringe Resonanz ließ am Mittwochabend anderes vermuten. Lediglich acht Zuhörer waren der Einladung gefolgt, sich im Saal der Gaststätte Krafft die Meinungen von SPD-Landtagskandidat Axel Brammer und Wolfgang Hunneshagen (Leiter der IGS Delmenhorst) anzuhören. Neben einer Gruppe Mütter aus Heide war Dr. Renate Richter, Schulleiterin des Gymnasiums Ganderkesee, gekommen, um sich über das Vorhaben zu informieren.

„Mich erinnert das Bild hier heute Abend doch sehr an unsere Anfänge in Delmenhorst“, berichtete Hunneshagen aus seinen Erfahrungen als damaliger Leiter der Planungsgruppe für die Einrichtung der dortigen Gesamtschule. Mittlerweile – 13 Jahre nach der Gründung – „reichen unsere Stühle in der Aula nicht mehr aus, da kommen 240 Eltern“, machte der Schulleiter Mut.

In seinem Referat beantwortete Hunneshagen die Frage, warum die Gesellschaft und damit auch die Eltern eine Gesamtschule wollen sollten: „Das gegliederte Schulsystem ist inhuman und ineffizient“, kam der Delmenhorster schnell zur Sache. Begründung: „Das Selektionsprinzip ist der grundlegende Fehler im System – und dazu nach Klasse 4 noch viel zu früh.“ Das Ergebnis sei eine zu hohe Zahl von Jugendlichen ohne Abschluss, darüber hinaus zahlreiche Schulabgänger mit eingeschränkter Ausbildungsfähigkeit und eine zu geringe Quote an Abiturienten und Hochschulabsolventen. Die Vorteile für die Eltern: „Bei uns sind Schüler einfach nur Schüler – keine Hauptschüler, keine Realschüler, keine Gymnasiasten.“ Dies führe zu einem entspannteren Umgang. Die Frage, ob ein Schüler an der Schule richtig ist, entfalle. „Wir können niemanden Abstufen, keinen Schüler wegschicken“, so Hunneshagen, „das ist ein klarer Vorteil für Schüler und Eltern.“

Allerdings warnte der IGS-Leiter eindringlich vor dem Ansinnen der Ganderkeseer SPD, „erst einmal klein anzufangen und keine Oberstufe einzuplanen“, wie es Fraktionsvorsitzender Hans Mestemacher äußerte. „Wenn sie nicht alle Abschlüsse anbieten, können sie es gleich vergessen“, sagte Hunneshagen. Die Meinung der Ganderkeseer SPD, dass es im Landkreis einen Bedarf für eine Gesamtschule gibt, teilte er jedoch uneingeschränkt. „Jedes Jahr bekomme ich Anrufe von Eltern aus Ganderkesee, Bookholzberg und Hude – und muss sie alle ablehnen.“