BOOKHOLZBERG - Disziplin war in den Nachkriegsjahren an der Bookholzberger Nordschule oberstes Gebot – da waren sich am Freitagnachmittag die ehemaligen Schüler der Geburtsjahrgänge 1937-1939 einig, die im „Grüppenbührener Hof“ zum Klassentreffen zusammengekommen waren. Richtige Streiche habe es eigentlich nicht gegeben, der Respekt vor dem Lehrer sei viel zu groß gewesen, erinnert sich Renate Hartwig (früher Bökel), die das Treffen gemeinsam mit fünf früheren Mitschülern organisiert hatte. „In Ausnahmefällen wurde auch der Rohrstock noch eingesetzt“, erzählt Hartwig.

Aber die alte Schulform hatte auch viel Positives, finden die ehemaligen Klassenkameraden, die in den 40er und 50er Jahren trotz unterschiedlichen Alters gemeinsam in einer Dorfschulklasse unterrichtet wurden. „Es war eine sehr soziale Schulform, denn einer half dem anderen und jeder nahm Rücksicht auf den Unterricht der anderen Jahrgänge“, so Heiko Ahlers, ebenfalls einer der Organisatoren des Treffens. So sei es etwa üblich gewesen, dass in ein und dem selben Raum still gearbeitet wurde, während ein anderer Jahrgang eine Klassenarbeit schrieb und ein weiterer Frontalunterricht durch den Lehrer erhielt. Vier Jahrgänge, insgesamt 56 Schüler stark sei die Klasse damals gewesen, erzählen Ahlers und seine Mitschüler. Die Jüngsten hätten vorn, die Ältesten in den hinteren Bänken gesessen.

Es war bereits die vierte Zusammenkunft der Jahrgänge 1937, 1938 und 1939 seit der Schulzeit. Dennoch mussten einige der Klassenkameraden in den hintersten Winkeln des Gedächtnisses suchen, um sich an Namen und Gesichter der Schulfreunde zu erinnern, denn längst nicht alle Mitschüler waren bei allen Klassentreffen anwesend, einige hatten sich sogar seit der Schulzeit nicht mehr gesehen. Oft waren es dann Gesten und Stimmen, die die Erinnerung auslösten – manchmal wurde aber auch einfach geraten.

Besonders groß war unter allen Anwesenden die Freude über Hans Kragl, der den 39er-Jahrgang als „Junglehrer“ unterrichtet hatte und nun als einziger der ehemaligen Lehrer am Klassentreffen teilnahm. „In manchen Fällen ist man überrascht, was aus den Jungen und Mädchen geworden ist!“, freut sich Kragl, der mit 80 Jahren nur etwa zehn Jahre älter ist als einige seiner ehemaligen Schüler.

Im Anschluss an die Kaffeetafel begaben sich die rund 45 „Nordschüler“ auf Erinnerungspfade durch Alt-Bookholzberg, auf denen auch die alte Schule nicht fehlen durfte. Nach einem gemeinsamen Abendessen mussten sich die einstigen Schulfreunde wieder voneinander trennen – bis zum nächsten Klassentreffen.