BOOKHOLZBERG - Die Neuntklässler der Hauptschule Bookholzberg hatten am Dienstag ein besonderes Unterrichts-Thema auf dem Stundenplan: zwei Schulstunden „HIV Prävention“. Der Zufall wollte es, dass am Tag zuvor der Prozess gegen die „No Angels“-Sängerin Nadja Benaissa begonnen hatte.
„Sie soll mit drei Männern geschlafen haben, ohne ein Kondom zu benutzen“, ruft ein 16-Jähriger wissend in die Klasse. Die Zeitungen an diesem Morgen sind voll davon.
Durch den Prozess gegen die bekannte Sängerin sind „HIV“ und „Aids“ wieder im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Ralf Monsees von der Oldenburgischen Aids-Hilfe ist an diesem Morgen in der 3. und 4. Stunde in die Klasse 9a gekommen, um ganz Grundsätzliches in Zusammenhang mit dem Virus HIV und der daraus resultierenden Immunschwächekrankheit Aids anzusprechen – und aufzuklären.
Die ganze Woche findet in der Bookholzberger Hauptschule Aufklärungs-Unterricht von der siebten bis zur zehnten Klasse statt.
„Der HIV-Virus wird fast ausschließlich über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen“, warnt Ralf Monsees gleich zu Beginn die 14 Mädchen und Jungen.
Die Oldenburgische Aids-Hilfe, für die er arbeitet, betreut insgesamt 162 Menschen, die sich mit HIV infiziert haben – und deren Angehörige und Freunde.
Die tatsächliche Zahl an HIV-Infizierten in Oldenburg schätzt Monsees aber weitaus höher. „Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich bei 300 Menschen, die sich infiziert haben“, so der Experte. Erschreckend: Rund die Hälfte würde demnach mit dem Virus leben, ohne es zu wissen oder es zuzugeben. Weltweit sind rund 33 Millionen infiziert.
„Nichts schützt so sicher vor einer Infektion wie ein Kondom“, macht Monsees den Schülern mehrfach deutlich. Enthaltsamkeit ist aus seiner Sicht kein geeignetes Mittel zum Schutz. „Das ist der verkehrte Ansatz“, sagt er und stellt ein weiteres Verhütungsmittel, ein sogenanntes „Frauen-Kondom“ vor.
Sein Unterrichts-Programm ist eine Mischung aus Medizin, Biologie und Sexualkunde. Ralf Monsees klärt in diesem Zusammenhang auch über weit verbreitete Vorurteile auf.
„Keine Angst: Durch bloßes Nießen oder Husten kann man sich nicht anstecken. Auch nicht durch Kuscheln oder Küssen“, so der Fachmann aus Oldenburg.
„Aber Mücken können das Virus doch beim Stechen übertragen“, glaubt ein 15-jähriges Mädchen zu wissen. Ralf Monsees schüttelt den Kopf. „Nein, das ist nicht möglich“, klärt er auf. „Das wäre fatal“, fügt er hinzu. Wenn Mücken den Erreger übertragen könnten, so Monsees weiter, „wäre jeder auf der Welt HIV-positiv“.
