BRAKE - „Unglaublich!“ – Thomas Klaus kann es kaum fassen, als er und seine Frau Manuela zusammengerechnet haben, was sie die Einschulung ihres Sprösslings kostet. 527 Euro stehen unterm Strich, nachdem die Liste abgearbeitet ist, auf der alles steht, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten für den Start des sechsjährigen Tom-Nico an der Grundschule Harrien gekauft haben.

„Im Mai haben wir den Ranzen gekauft, dann nach und nach alles andere“, blickt der 44-Jährige zurück: „Deshalb war uns gar nicht so bewusst, wie viel Geld da zusammenkommt.“ Natürlich könne man viele Sachen billiger bekommen, sagt Manuela Klaus und nennt als Beispiel den Ranzen, der im Set mit Federmappe, Sport- und Geldbeutel 150 Euro gekostet hat: „So etwas gibt es auch für 30 bis 50 Euro, aber das hält in der Regel nicht so lange und ist vielleicht nach einem halben Jahr kaputt.“ Zudem wolle man als Eltern auch nicht, dass das eigene Kind „schief angeguckt wird, weil es einen Ranzen hat, der nicht das entsprechende Markenzeichen oder angesagte Motiv hat“.

Auch einen Schreibtisch und einen passenden Stuhl für 180 Euro haben die 39-Jährige und ihr Mann für Tom-Nico gekauft. „Das machen natürlich nicht alle. Wir arbeiten beide und können uns das einigermaßen leisten“, so die Mutter des Erstklässlers, der gerne malt und sich freut, „endlich lesen“ zu lernen.

Schulbücher, wie viele Eltern sie aus ihrer Schulzeit kennen, gibt es für Erstklässler keine. „Das sind alles Hefte zum Ausfüllen. Super-schick, aber gebraucht kaufen ist somit nicht drin“, sagt Manuela Klaus. Eltern älterer Kinder hätten gesagt: „Warte ab, bis die ersten Klassenfahrten anstehen. Das wird richtig teuer“, erzählt sie: „Ich weiß gar nicht, wie das Eltern machen, die von Hartz IV leben.“

Für diese oder auch Eltern, die Kinderzulage erhalten, gibt es jährlich pro Schulkind zum 1. August pauschal 100 Euro, erklärt Sassa Weyand, Leiterin des Braker Arbeitslosenzentrums und erinnert daran, dass das Bundesverfassungsgericht Anfang 2010 entschieden hat, dass auch diese vom Gesetzgeber „willkürlich“ festgelegten Sätze bis Januar 2011 überprüft werden müssen. Immerhin werden die Kosten mehrtägiger Klassenfahrten bei anspruchsberechtigten Familien übernommen. „Für normale Ausflüge gilt das nicht“, so Weyand: „Dass die 100 Euro fürs ganze Schuljahr hinten und vorne nicht reichen, ist völlig klar.“

Jan-Karsten zur Brügge
Jan-Karsten zur Brügge Sportredaktion