Brake - „Es ist in diesem Jahr eine schwierige Planung“, seufzt Andrea Pankow. Vor ein paar Tagen hatte die Geschäftsleitung der Lebenshilfe Wesermarsch gerade einmal die Hälfte ihrer zwölf Bufdi-Plätze vergeben. Und das wenige Wochen vor dem eigentlichen Start am 1. August.

Der Bundesfreiwilligendienst – alternativ auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) – hat sich zu einem wichtigen Stützpfeiler bei der Lebenshilfe entwickelt. Alle Zusatzangebote würden erst durch die zusätzlichen Mitarbeiter möglich, sagt Andrea Pankow, die auch die Leitung der Karl-Eichler-Schule innehat, und nennt das regelmäßige Schwimmen als Beispiel.

Warum das in diesem Jahr so ist? „Da fehlt mir die Fantasie“, meint Andrea Pankow. „Mangelnde Werbung ist es nicht.“ Zuletzt hatten noch ihre jetzigen Freiwilligen auf den Abschlussbällen der Schulen geworben. Vielleicht sei es die gute Versorgung mit Ausbildungsplätzen, mutmaßt Andrea Pankow. Vielleicht sei der jetzige Jahrgang aber auch nur einer von Spätzündern, hofft sie, dass sich noch Interessierte melden ( t  04401/3020).

Denn auch jetzt ist es noch nicht zu spät für einen Einstieg. Im August und September sei das noch möglich, und selbst im Oktober/November gehe zur Not noch was. Weil einige junge Menschen den Freiwilligendienst aber auch nutzen, um bei verpatztem Abi neben dem schulischen auch den praktischen Teil der Fachhochschulreife zu erlangen, muss er schon ein Jahr dauern. Bei einem späteren Einstieg kann es mit der Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums eng werden.

Dass es zunehmend schwieriger wird, junge Menschen für den Freiwilligendienst zu gewinnen, diese Erfahrung hat auch Peter Deyle gemacht. Auch wenn der Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes Wesermarsch „nur“ eine Stelle zu besetzen hatte, merkt er das mangelnde Interesse in diesem Jahr. Auf eine Stellenanzeige im Mai habe es nicht einen Anruf gegeben. Er will daraus vor allem eine Konsequenz ziehen: Bei den nächsten Ausbildungsplatzbörsen will er auf das Angebot hinweisen und neben Abiturienten auch junge Menschen erreichen, die eine Ausbildung anstreben. Denn das FSJ bietet laut Deyle eine ganze Menge: eine sinnvolle Tätigkeit im sozialen Bereich, Seminare und Zeit für die Orientierung.

Ralf Bunten, Geschäftsführer des Caritasverbandes im Kreis Wesermarsch, ist bei dem Thema recht entspannt. „Wir sind nicht so sehr auf FSJler angewiesen – auch wenn die ergänzende Arbeit sehr wertvoll ist.“ Von den drei Stellen war eine ganz schnell besetzt.

Und das dicke Ende dürfte 2020 erst noch kommen: Durch die Umstellung von G 8 auf G 9 fehlt im kommenden Jahr ein ganzer Abiturjahrgang. Und aus dem rekrutierte sich bisher ein Großteil der Freiwilligendienstler.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)