BRAKE/TOSSENS - BRAKE/TOSSENS - Noch sind Detailfragen zur Zukunft des Hauptschulstandortes in der Gemeinde Butjadingen zu klären. Dabei geht es auch darum, inwieweit künftig die private Zinzendorfschule in Tossens Räume der öffentlichen Hauptschule nutzen kann. Noch hat der Kreistag – er tritt am 19. März zusammen – nicht entschieden. Gestern ist aber im Kreishaus in Brake eine politische Vorentscheidung gefallen. Bei nur zwei Gegenstimmen hat der Schulausschuss des Kreistages einen Doppelbeschluss gefasst.
Zum einen soll danach die bestehende öffentliche Hauptschule in Tossens aufgegeben werden. Der Ausschuss ließ aber offen, wann des geschehen soll, fasste also nur einen Grundsatzbeschluss. Möglicherweise soll das aber bereits zum Ende des Schuljahres 2007/2008, also in eineinhalb Jahren, geschehen.
Zum anderen soll bereits ab Schuljahresbeginn 2007/2008, also nach den Sommerferien dieses Jahres, keine neue fünfte Klasse mehr an der öffentlichen Hauptschule in Tossens angeboten werden.
Damit läuft alles auf eine private Hauptschule in Tossens hinaus, die nach den Sommerferien zunächst mit der fünften Klasse startet. Wie die NWZ berichtete, ist die Zinzendorfschule bereit und gewillt, in Tossens in die Bresche zu springen, damit auch in Zukunft eine Hauptschule in Butjadingen Bestand hat.
„Es gibt wirklich einfachere Aufgaben. Wir schreien nicht Hurra, aber in Verantwortung für die Menschen und die Kinder in Butjadingen werden wir ein gutes Schulangebot aufbauen und erhalten. Wir sind bereit“, sagte gestern im Kreishaus Jürgen Sprickerhof, einer der Leiter der Zinzendorfschule.
Zuvor war die Frage diskutiert worden, wie es zur existenzgefährdenden Situation für die öffentliche Hauptschule gekommen ist.
Dazu die zuständige Sachbearbeitern beim Kreis, Astrid Bäkermann: Bereits ab Schuljahr 2009/10 werde die Schule laut Prognose durchgängig einzügig sein. Die Zahl der Schüler pro Klasse werde sich auf zwölf bis 16 einpendeln. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Schule keinen Schulleiter mehr, sondern nur noch einen kommissarischen Leiter hat. Wie berichtet, ist Schulleiter Hans-Jürgen Küper nach Jaderberg gewechselt.
Jürgen Gabbert (CDU) fragte, welche alternativen Möglichkeiten es für die öffentliche Hauptschule gibt. Rainer Mitscherlich, seit etwa drei Wochen kommissarischer Schulleiter in Tossens, sagte zu Gabbert gerichtet: „Die Frage gebe ich an Sie zurück. Sie haben überschnell reagiert, wollen uns die fünfte Klasse wegnehmen, ohne nachzudenken, was das pädagogisch bedeutet.“ Mit aller Macht solle „überschnell ein gereiftes System auseinandergebrochen werden“, kritisierte Mitscherlich.
Regierungsschuldirektor Harald Seyfarth sagte: Er habe vor drei bis vier Jahren die negative Entwicklung prognostiziert und daher vorgeschlagen, die Hauptschule mit einem Realschulzweig aufzuwerten und so zu sichern. Das sei aber politisch anders entschieden worden.
Für Jürgen Sprickerhof dagegen war diese Entscheidung richtig, weil andernfalls „das gut funktionierende System der Zinzendorfschule mit Gymnasium plus Realschule auseinandergerissen worden wäre.“ Sprickerhof: „Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass der Abschwung so schnell geht. Hinzu kam, dass die Hauptschule ihren langjährigen Schulleiter verloren hat.“
Regierungsschuldirektor Seyfarth sprach von zwei Paar Schuhen. Eine nur noch einzügige Hauptschule sei pädagogisch nur ein Notbehelf. Die einzige Alternative pro öffentliche Hauptschule in Tossens sei daher lediglich, die Aufgabe dieser Schule um ein Jahr hinauszuschieben.
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