BREMEN - Viele Fähigkeiten sind gefragt. Dazu zählt ganz obenan das Organisationstalent.
Von Deike Uhtenwoldt
BREMEN - Neun Chefs in 18 Berufsjahren, darunter emotionslose Machtstrategen, kommunikationsgestörte Patriarchen oder manisch-depressive Choleriker, und nur ein „richtig guter“. Es ist kein schönes Führungszeugnis, das die Europasekretärin Katharina Münk ihren Chefs erteilt – in ihrem Buch: „Und morgen bringe ich ihn um!“Katharina Münk ist ein Pseudonym, ebenso wie die Namen der Chefs und der Unternehmen frei erfunden. „Es hat alles so stattgefunden“, betont die Autorin, die anonym bleiben will – um ihre Zukunft als Chefsekretärin nicht zu gefährden. Daraus kann man schließen: Der Beruf hat auch gute Seiten.
Er sei z.B. ausgesprochen vielfältig, betont die Ratgeberautorin Sabine Asgodom aus München, die auch Seminare für Sekretärinnen gibt. „Das sind Powerfrauen mit viel Kompetenz und Potenzial.“ Aber wer den „Laden eigentlich schmeißt“, müsse seine Energiereserven gelegentlich neu aufladen: „Man ist ja auch so eine Art Blitzableiter für den Chef.“ Umso wichtiger sei es für jede Sekretärin, sich Respekt zu verschaffen und Nein sagen zu können.
Chefs, die noch Texte diktieren, werden rar. Stattdessen sind bei Sekretärinnen Managementfähigkeiten gefragt: Mehrsprachigkeit, Organisationstalent und EDV-Kenntnisse zählt Monika Gunkel an oberster Stelle auf. Die Vorsitzende des Bundesverbandes Sekretariat und Büromanagement (bSb) in Bremen stellt einen Trend zur Höherqualifizierung schon beim Berufseinstieg fest.
In der Regel sei noch eine duale Berufsausbildung in kaufmännischen Berufen vorherrschend. „Die fundierte Grundausbildung sichert das Handwerkszeug. Dazu kommen kommunikative und soziale Kompetenz.“ Monika Gunkel hat selbst vor mehr als 30 Jahren Rechtsanwaltsgehilfin gelernt und sich dann zur geprüften Sekretärin ausbilden lassen. „Man ist in allen Branchen einsetzbar und kann sich unglaublich weiterentwickeln.“ Weilt der Vorgesetzte im Ausland, übernimmt die Sekretärin viele seiner Aufgaben, koordiniert Projekte, plant Termine.
356 000 Sekretärinnen und gerade 4000 Sekretäre zählte der Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden 2005. Im Vergleich zu 1999, als es noch mehr als 600 000 Beschäftigte waren, scheint das wenig. „Aber man muss das mit der allgemeinen Beschäftigungsentwicklung in Relation setzen“, gibt bSb-Pressesprecher Lars Oldenbüttel zu bedenken. Zudem beruhten die Zahlen auf der Selbsteinschätzung der Beschäftigten. „Heute definiert sich so manche Sekretärin lieber als Eventmanager oder Projektassistentin.“
Literatur: Katharina Münk: Und morgen bringe ich ihn um!, Eichborn, 14,90 Euro; Modernes Office-Management 2006, bSb Jahrbuch, 17,90 Euro.
Infos: Bundesverband Sekretariat und Büromanagement, Martinistraße 31, 28195 Bremen (Tel.: 0421/69 89 63).
