Dass William Abu Dayyeh drei Sprachen spricht, kommt nicht von ungefähr und hat mit seiner Lebensgeschichte zu tun. Der 64-Jährige stammt aus einer arabischen Familie in Bethlehem und machte dort in einer deutschen Missionsschule, in der Englisch unterrichtet wurde, sein Abitur. Die längste Zeit seines Lebens hat er in Deutschland verbracht. Abu Dayyeh ist Deutscher, er ist Lehrer, er ist Beamter und nun seit 40 Jahren im Schuldienst.
Seit 1999 unterrichtet er an der Grundschule Altjührden und ist Klassenlehrer im vierten Schuljahr. Fast sein gesamtes Berufsleben als Lehrer hat er in Varel verbracht. Kein Wunder: Seine Frau, auch Lehrerin, stammt aus Varel. 1966 begann Abu Dayyeh am Schulzentrum Obenstrohe. 1973 wechselte er ans Schulzentrum Varel.
Gut zehn Jahre lang war er auch Fachberater für Deutsch als Fremdsprache im Schulaufsichtsamt Friesland-Wilhelmshaven. Über diesen Weg entsandte ihn die Bundesregierung für fünf Jahre, von 1977 bis 1982, nach Jerusalem. Dort unterrichtete er an einer Missionsschule arabisch sprechende Palästinenser und betrieb Lehrerfortbildung für das Fach Deutsch.
„Meine Familie war schon immer Brückenbauer zwischen Deutschland und der arabischen Welt“, sagt Abu Dayyeh. Sein Urgroßopa hat für den ersten deutschen Missionar in Bethlehem gearbeitet. Daher ist die Familie seit dem 19. Jahrhundert protestantisch. Abu Dayyeh bezeichnet sich selbst als arabischen Christen.
Seit 18 Jahren ist er auch Lehrbeauftragter für Arabisch im Fach Interkulturelle Pädagogik an der Universität Oldenburg. Seit langem beschäftigt er sich wissenschaftlich mit dem Islam und dem Nahost-Konflikt. In den 60er Jahren studierte er selber an dieser Uni Oldenburg Evangelische Religion, Deutsch und Englisch.
In einem Jahr wird Abu Dayyeh pensioniert. Dann will er sich wieder mehr als Reiseleiter betätigen und mit Deutschen den Nahen Osten erkunden. In der Vergangenheit hat er immer wieder mit Studenten und mit der Kreisvolkshochschule den arabischen Raum besucht.kop
William Abu Dayyeh
Lehrer
